Bergtour auf den Wildseeloder: Boot fahren auf 1847 Metern

Oberhalb von Fieberbrunn lockt das Wildseeloderhaus mit zahlreichen Möglichkeiten für Outdoor-Spaß: Wer will, kann sogar am See eine Runde mit dem Holzboot fahren.

Das Wildseeloderhaus beeindruckt mit toller Lage am Wildseelodersee.
© Irene Rapp

Von Irene Rapp

Fieberbrunn –Ein paar Mutige wagten sich ins Wasser des Wildseelodersees auf 1847 Metern, einige zogen eine Bootsfahrt vor: Vor einer Woche, am schönen Freitag vor dem nassen Wochenende, waren wir am Wildseeloderhaus oberhalb von Fieberbrunn. Ein Fleck Tirol, wo man die Seele baumeln lassen kann, so schön ist es hier. Die Kitzbüheler Alpen sind überhaupt viel lieblicher als der Westen Tirols, schroffe, felsige Bergformen fehlen hier und Gras wächst bis zu den Gipfeln hinauf. Etwa auf den Wildseeloder (2117 m), den wir noch bestiegen haben.

📽 Video | Tourentipp: Wildseeloder

So kommt man hin: Für die Tour zum Wildseeloder haben wir Bahn-Unterstützung gewählt und sind mit der Bergbahn Fieberbrunn bis zum Lärchfilzkogel gefahren (Maskenpflicht, einmal umsteigen). Wer will, kann aber auch mit dem Mountainbike vom Tal herauf bis zur unter dem Wildseeloderhaus liegenden Wildalm fahren und die letzten Höhenmeter zur Schutzunterkunft zu Fuß gehen.

Wenn man die Bergstation verlässt, wird man zuerst den Blick Richtung Norden genießen – u. a. auf Loferer und Leoganger Steinberge. Dann folgt man den Wegweisern „Wildseeloderhaus“ Richtung Süden, die Schutzhütte kann man schon von Weitem sehen. Zunächst geht es einige Schritte bergab, hinunter zu Almgebäuden (u. a. der Wildalm, wo wir guten Bergkäse gekauft haben). Weiter auf einem breiten Weg, dann auf einem Steig in einigen Kehren zum Wildseeloderhaus auf 1854 Metern hinauf. Gehzeit: ab einer Stunde, diese Strecke ist mit größeren Kindern gut machbar.

Man kann dort sogar Boot fahren.
© Irene Rapp

Oben angekommen wird man dann von der Szenerie begeistert sein: Gleich unter einem liegt der Wildseelodersee, eingebettet zwischen dem Wildseeloder (2117 m) im Westen und der Henne (2078 m) im Osten. Die Mulde wurde durch einen Gletscher in der letzten Eiszeit gebildet und daher ist der Wildsee auch bis zu 14 Meter tief.

Rechts von einem liegt das von Bernhard Kaufmann geführte Wildseeloderhaus, links davon eine kleine Kapelle. Wer will, kann also noch weitere Ziele ansteuern – z. B. die linker Hand liegende Henne (auf die führt auch ein Klettersteig). Oder aber man geht auf den rechter Hand liegenden Wildseeloder und umwandert dann den Kessel in einer schönen Runde, nimmt die Henne noch mit und kehrt wieder zur Hütte zurück. Apropos Klettersteig: So einer führt auch auf den Marokka, einen Vorgipfel der Henne.

Wenn man die Bergstation verlässt, kann man schon das Ziel erkennen (2: unten die Wildalm, oben das Wildseeloderhaus und rechts der Wildseeloder).
© Irene Rapp

Wir gingen vom Wildseeloderhaus zunächst auf den Wildseeloder: Dazu einige Schritte hinab am See entlang, dann zeigt gleich ein Wegweiser, dass es rechts hinauf ins Gelände geht. Auf einem Bergsteig in einigen Kehren hinauf, hier zeigen sich die Kitzbüheler Alpen auch einmal ein wenig schroff. Zwischen den Felsen hindurch hat man dann erstmals wieder einen freien Blick nach Norden. Hier hält man sich dann links und erreicht in wenigen Minuten das beeindruckende 1901 aufgestellte Gipfelkreuz.

Die Inschrift ist übrigens interessant, denn laut dieser ist „dieses Kreuz eines der letzten Zeugnisse aus reinem Pillersee-Stahl“. In dieser Gegend wurde nämlich einst Eisenerz abgebaut, in Fieberbrunn erfolgte die Verarbeitung zu Stahl. Zurück in die Gegenwart: Wer will, kann nun auf dem Aufstiegsweg wieder absteigen. Wir haben die Runde ausgedehnt (Abzweigung gleich unterm Gipfel) und sind zum Seenieder auf 1950 Metern weitergewandert und dann zum See bzw. zum Wildseeloderhaus abgestiegen.

Am Gipfel des Wildseeloders steht ein Gipfelkreuz aus Pillersee-Stahl.
© Irene Rapp

Dort genossen wir dann Hausmannskost, nämlich Zillertaler Krapfen. Auf der Hütte verwöhnt Familie Kaufmann aus Fieberbrunn die Gäste – Bernhard ist der Pächter, Vater Siegfried hilft wie die zwei Ehefrauen der Männer mit. „Der heurige Sommer war gut, trotz Corona“, erzählt er. Denn auf den sonst 40 benutzten Schlafplätzen übernachten derzeit im Schnitt 20, 25 Leute pro Nacht.

Vor dem Wildseeloderhaus bietet eine kleine Kapelle Stille und tolle Ausblicke.
© Irene Rapp

Geöffnet hat die Einkehr noch bis 26. Oktober (falls es das Wetter zulässt). Am 13. September spielen um den See herum Volksmusikanten auf. Lotte ist übrigens der Liebling der Gäste: Das Schaf kennt keine Scheu und „frisst sogar von den Tellern herunter“, erzählt Kaufmann, der sich darüber nicht ganz so freuen kann wie seine Gäste.


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