Hohe Geldstrafe für renitenten Pensionisten in Innsbruck

Widerstand gegen die Staatsgewalt: So lautete der Vorwurf, für den sich ein 79-jähriger Innsbrucker am Montag am Landesgericht verantworten musste.

Trotz Verbots war der Pensionist auf der Promenade unterwegs.
© Rachlé

Innsbruck – Widerstand gegen die Staatsgewalt: So lautete der Vorwurf, für den sich ein 79-jähriger Innsbrucker am Montag am Landesgericht verantworten musste. Doch der Pensionist zeigte keine Einsicht.

Der Anlass für den Prozess liegt fünf Monate zurück: Es war am 22. März – also am Höhepunkt der Corona-Krise –, als der Angeklagte einen damals verbotenen Spaziergang auf der Innsbrucker Innpromenade unternahm. Seine Ärzte würden sagen, er solle täglich etwas gehen, so der 79-Jährige vor Gericht.

Doch die Polizisten, denen der Innsbrucker auf der Promenade begegnete, waren anderer Ansicht als die Ärzte. Sie wollten den Pensionisten anhalten, er wollte weitergehen. Als sie ihn festhielten, soll er Schläge angedroht und eine Beamtin als „schiaches Borstenvieh“ bezeichnet haben. Die Amtshandlung eskalierte. Der Spaziergänger hob drohend die Faust, die Polizisten nebelten den renitenten Innsbrucker mit Pfefferspray ein und rangen ihn zu Boden. Dabei soll auch Speichel des 79-Jährigen im Gesicht eines Beamten gelandet sein. Ob als Folge der emotionsbedingt besonders nassen Aussprache oder einer Spuckattacke, war im Verhandlungssaal nicht mehr eindeutig zu klären.

Von der bereits am 15. März verkündeten Ausgangssperre wollte der Angeklagte eine Woche später noch immer nichts gewusst haben: Er lese keine Zeitung und im TV schaue er bestenfalls einen Krimi, wollte der 79-Jährige dem Gericht weismachen. Für Richterin Helga Moser eine Schutzbehauptung – sie glaube nicht, dass der Pensionist von den Corona-Maßnahmen nichts mitbekommen habe. Zumal er ja auch einkaufen war und seine Frau eine Zeitung abonniert hat. Fazit: Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von 9720 Euro verurteilt, die Hälfte davon bedingt. (tom)

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