Blitzschlag ist nach Absturz größte Gefahr für Almtiere

Zwar sind Landwirte gegen Verluste auf den Almen versichert, der tatsächliche Schaden ist aber meist größer als die Entschädigung.

Ein einziger Blitz tötete vergangene Woche auf einer Alm im Salzburger Pongau 16 Rinder.
© Land Salzburg/Zellhofer

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck –Ein Gewitter mit fatalen Folgen: Im Bereich der Gnadenalm im Pongau in Salzburg reichte vergangene Woche ein einziger Blitz, um gleich 16 Rinder auf einen Schlag zu töten. Die Tiere waren über den Sommer auf der Alm und gehörten zwei Bauern. Die Kadaver wurden mit dem Hubschrauber aus dem unwegsamen Gelände geborgen, die Höhe des Sachschadens stand zuletzt nicht fest, die betroffenen Landwirte dürften aber versichert sein.

Dennoch sind Schaden und Verlust für die betroffenen Landwirte meist größer als die dann ausbezahlten Entschädigungen, weiß Josef Lanzinger, Obmann Tiroler Almwirtschaftsvereins. „Und zwar vor allem dann, wenn es sich bei den verendeten Tieren um hochwertige Zuchttiere handelt“, so Lanzinger. Eine Verarbeitung des Kadavers – um doch noch einen Nutzen aus dem Verlust ziehen zu können – ist gesetzlich nicht erlaubt, so der Alm­obmann.

70 Prozent Abstürze, 30 Prozent Blitzschlag

Das bestätigt auch Daniela Scharmer von der Abteilung Landesveterinärdirektion Tirol: „Wenn ein Tier verendet ist, darf das Fleisch nicht mehr verarbeitet und konsumiert werden.“ Das sei in der EU-Verordnung für Lebensmittelrecht ganz klar geregelt. Schließlich lasse sich bei Tieren, die auf einer Weide aufgefunden werden, kaum feststellen, wann diese verendet sind. Aber auch bei Notschlachtungen, die beispielsweise bei Verletzungen erfolgen, wird das Fleisch nicht verarbeitet, betont Scharmer. Grund dafür sei der Stress, dem das Tier in diesen Situationen meist ausgesetzt war – und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Fleischqualität. Ein abgestürztes oder vom Blitz erschlagenes Rind dennoch in den Verkauf zu bringen, sei praktisch unmöglich, sagt Scharmer. Anhand der Nummer in der Ohrmarke sei jedes Tier eindeutig zuzuordnen und jeder Transport und Ortswechsel lückenlos dokumentiert.

Dass ein Blitz große Teile einer Tierherde vernichten und enormen Schaden verursachen kann, musste Anfang Juli auch ein Bauer in Osttirol feststellen. Im Debanttal fand ein Hirte eines Morgens nach einem heftigen Gewitter mehr als ein Dutzend Bergschafe tot auf. Tatsächlich liegt Blitzschlag bei Nutztieren auf Almen in der Schadensstatistik hinter dem Absturz auf Platz zwei, wie Christian Nuener, Bereichsleiter Schaden und Leistung der Tiroler Landesversicherung, weiß. Die Landesversicherung ist mit Abstand Tirols größter Versicherer für die Landwirtschaft. „Wie haben im Schnitt in diesem Bereich jährlich 300 Schadensmeldungen. 70 Prozent davon betreffen Abstürze, 30 Prozent Blitzschlag“, so Nuener.

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