Übertragen von Verantwortung könnte „Pattsituation für Frauen auflösen“
Der Lienzer Dekan Franz Troyer will weitere Verantwortung in den Pfarren an engagierte Gläubige übertragen. Es wird mehr Wortgottesdienste geben.
Von Christoph Blassnig
Oberlienz – Der Priestermangel wird auch in Osttirol immer deutlicher sichtbar. Im Dekanat Lienz gibt es seit heute Änderungen mit zum Teil bedeutenden Folgen für die Gläubigen.
Der bisherige Pfarrprovisor von Oberlienz, Damian Frysc, wechselt als Leiter in den Seelsorgeraum Defereggental. Die Stelle wird nicht nachbesetzt. Seine priesterlichen Aufgaben übernimmt zur Gänze der Lienzer Dekan Franz Troyer, der am 20. September seinen Einstand in Oberlienz feiern wird. Im Seelsorgeraum Lienz Süd ist kürzlich der Tristacher Pfarrer Josef Indrist verstorben. Auch dort gibt es keine Nachbesetzung. Der pensionierte Priester Reinhold Pitterle, bisher im Defereggental tätig, hilft in der nächsten Zeit im Seelsorgeraum Assling aus, bis dort der erkrankte Geistliche August Andreas Huber langsam wieder in den Dienst zurückkehren kann.
Eine Folge dieser Umstände wird sein, dass die Anzahl der Wortgottesdienste deutlich steigen werde, erklärt Franz Troyer. „Etwa einmal im Monat wird in allen Gemeinden der fünf Seelsorgeräume unseres Dekanates Wortgottesdienst gefeiert“, kündigt Troyer an. Es gebe bereits etliche engagierte Wortgottesdienstleiter, Frauen wie Männer, sagt der Lienzer Dekan. Interessierten Gläubigen würde eine Ausbildung angeboten. Im Rahmen regelmäßiger Treffen sei geplant, dass die Leiter zusammenkommen, um miteinander den Wortgottesdienst für den kommenden Sonntag vorzubereiten. „Anhand der Besprechung der jeweiligen Bibelstellen sollen die Leiter eine spirituelle, theologische Weiterbildung erfahren“, wünscht sich der Dekan.
Ansprechpersonen in alle Pfarren
Das Konzept der Diözese Innsbruck sehe vor, dass es in allen Pfarren und Filialkirchen jeweils eine Ansprechperson vor Ort geben soll. Personen mit theologischer Ausbildung würden Pfarrkuratoren genannt, Laien unter dem Titel Pfarrkoordinatoren laufen. Auch die wirtschaftlichen Befugnisse könnten vollständig übertragen werden. Der Priester sei damit auch nicht mehr der Leiter des örtlichen Pfarrkirchenrates. „Damit wollen wir sicherstellen, dass die Kommunikation, die Begegnung und der Kontakt zu den Gläubigen klappt“, erläutert Troyer. „Wenn ein Priester fünf verschiedene Einheiten zu betreuen hat, ist er für die Menschen vor Ort sonst kaum noch greifbar.“
Der Lienzer Dekan ist zutiefst überzeugt, dass engagierten Leuten in den Pfarren Leitungspositionen anvertraut werden sollten. Troyer kritisiert damit auch offen ein zuletzt ergangenes Schreiben aus Rom, das momentan genau das Gegenteil vorsehe. „Die Aufgaben und die Macht der Priester sollten demnach noch verstärkt werden. Da frage ich mich: Wie soll das gehen?“ Das Übertragen von Verantwortung sei auch ein Weg, die Pattsituation für Frauen aufzulösen, was Priesteramt und Diakonat betrifft.