Ruf nach Handwerkerbonus in Tirol ab heurigem Winter

Franz Jirka, Obmann für Gewerbe und Handwerk, schildert, was es bedeutet, wenn immer mehr Geld im Ausland ausgegeben wird.

Unternehmer Franz Jirka ist auch Obmann für Gewerbe und Handwerk in der WK Tirol.
© Vanessa Rachlé

Die Sparte Gewerbe und Handwerk beteiligt sich an der Kampagne „Ja zu Tirol“. Warum ist diese Initiative so wichtig?

Franz Jirka: Eigentlich sollten die Tirolerinnen und Tiroler im eigenen Land einkaufen, um den heimischen Wirtschaftskreislauf zu stärken. Doch gerade die Corona-Krise hat gezeigt, dass dem nicht so ist. Ganz im Gegenteil – es wurde viel im Ausland bestellt, per Online-Handel bei den großen Konzernen. Diese haben profitiert. Da sind die Umsätze in Europa um 38 Prozent nach oben geschnellt, da sprechen wir von Milliarden. Viele reden zwar davon, dass sie die heimischen Wirtschaftskreisläufe wieder stärken und unterstützen wollen. Häufig sind das jedoch nur Lippenbekenntnisse. Mit „Ja zu Tirol“ sollen die Menschen beim Einkaufen ein Bekenntnis zum heimischen Handel ablegen. Aber auch unsere Gewerbe- und Handwerksbetriebe können mit ihren Produkten und Dienstleistungen davon profitieren.

Manchmal wird kritisiert, dass Produkte aus Tirol teurer seien als andere.

Jirka: Unsere Betriebe haben eine lange Tradition. Auch die Qualität ihrer Produkte ist unschlagbar, da brauche ich nicht irgendetwas als Paket aus dem Ausland herankarren zu lassen. Natürlich kann es sein, dass Qualität aus Tirol ein paar Cent oder Euro teurer ist. Aber jeder möge sich überlegen, dass die Steuern unserer Betriebe auch dem Staat zugutekommen. Gerade die ganzen Corona-Pakete, die geschnürt wurden und werden, muss irgendwer bezahlen. Man muss den Menschen vor Augen führen, was es bedeutet, wenn immer mehr Geld im Ausland ausgegeben wird: Es fallen Steuern sowie Arbeitsplätze weg und wir verlieren eine gewisse Steuerungskraft.

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Wie stellt sich derzeit die Auftragslage bei den Betrieben dar?

Jirka: Eigentlich haben wir uns vor dem Spätsommer gefürchtet. Wir glaubten, bis dahin den Corona-bedingten Auftragsrückstau aufgearbeitet zu haben. Doch wir haben nicht damit gerechnet, dass noch weitere Aufträge hereinkommen. Das war der Fall. Doch jetzt werden die Kunden etwas verhaltener. Es gibt viele Landes- und Bundesförderungen, damit wir keine Investitionsstarre erleben. Daher hoffen wir, dass wir nicht im Spätherbst in ein tiefes Loch fallen.

Zur Person

Franz Jirka ist Heizungstechnikmeister, Rauchfangkehrermeister und hat die Befähigungsprüfung für Gasinstallateure abgelegt. Ebenso ist er auch Hafner-Geselle.

▶️ Er ist seit 28 Jahren Unternehmer und seit 18 Jahren in der Wirtschaftskammer Tirol tätig.

▶️ 16 Jahre lang hat er als Vertragslehrer des Landes Tirol an der Berufsschule für Bau- und Maltechnik in Absam unterrichtet.

▶️ Seit fünf Jahren ist er Innungsmeister für Rauchfangkehrer, vor etwa 3 Jahren übernahm er die Funktion des Obmanns für Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Tirol.

Es wird ja der Ruf nach dem Handwerkerbonus immer lauter. Was halten Sie davor?

Jirka: Das ist ein gutes Instrument, das unseren Handwerksbetrieben in wirtschaftlich unsicheren Zeiten enorm hilft.

Ab wann sollte er denn eingeführt werden?

Jirka: Im Winter 2020, spätestens aber mit 1. Quartal 2021, das wäre der richtige Zeitpunkt in meinen Augen. Es sollte auch einen Reparaturbonus geben. Wie das Ganze ausgestaltet wird, da möchte ich der Politik nicht vorgreifen.

Sie sind Funktionär bei der Wirtschaftskammer Tirol und Rauchfangkehrer, Heizungstechniker und handeln mit Öfen. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?

Jirka: Ganz einfach – mit sehr viel Leidenschaft und Freude. Es ist keine Belastung, sondern Berufung. In meinem Beruf geht es immer um Wärme und Energie, da gibt es ganz komplexe Anforderungen. Da ist das Funktionärsleben manchmal komplexer. Natürlich fehlt meine Arbeitskraft im Betrieb, hier halten mir aber meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den „Rücken frei“. Ohne sie, meinen Sohn und meine Frau in der Firma wäre vieles als Funktionär zeitlich gar nicht möglich. Ich mag das, wenn sich was tut und wenn sich was rührt.

Jirka

Die Firma Jirka steht für Heiztechnologien, Öfen und Kamine. Ein Rauchfangkeh­rerbetrieb gehört ebenso dazu wie ein Labor zum Eichen von Abgasanalysegeräten und ein Geschäft für Spezialwerkzeuge.

▶️ Das Geschäft mit der Servicierung und Störungsbehebungen von Öl- oder Gasheizungsanlagen sowie Wärmepumpen ist in den vergangenen 20 Jahren rasant gewachsen.

▶️ Der Innsbrucker Betrieb beschäftigt 17 Mitarbeiter, der Betrieb Jirka in Kufstein/Ebbs wird von Franz Jirkas Cousin geführt und beschäftigt 14 Mitarbeiter.


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