Landwirtschaft und Spaß: Die etwas andere Therapie in Schwoich

Der Verein Schritt für Schritt übersiedelte kürzlich nach Schwoich. Am Lilienhof wird die Therapie für behinderte Kinder und Jugendliche zum Spiel.

© Schritt für Schritt

Schwoich – Lachend fällt vieles leichter. Deswegen setzt man beim Verein Schritt für Schritt auf Therapien mit Spaßfaktor. Seit gut zwei Wochen finden die Physio-, Ergo- und logopädischen Trainings für behinderte Kinder und Jugendliche in einem Bauernhof in Schwoich statt. Die Initiative „Leben und Schaffen am Lilienhof“ widmet das Anwesen der sozialen landwirtschaftlichen Arbeit und baute den ersten Stock mit Hilfe von EU-Födergeldern und Spenden für 600.000 Euro ganz nach den Bedürfnissen von Schritt für Schritt aus. „Wir arbeiten mit teilweise schwerstbehinderten Kindern. Für uns sind Barrierefreiheit, viel Platz, aber auch viel Licht wichtig“, freut sich Obfrau Susanne Schöllenberger-Baumgartner über die neue Heimat.

Der Spaß steht bei den Trainingseinheiten im Vordergrund.
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Der Verein startete vor zehn Jahren mit sechs Kindern und Jugendlichen, heute sind es 35. Bisher nutzte man die Räumlichkeiten der Sonderschule in Hopfgarten i. B., seit 2014 plane man den Umzug nach Schwoich. Der Bauernhof bringe neben dem größeren Platzangebot, einer eigenen Küche sowie Sanitäranlagen zusätzliche Vorteile. Gemüsebeete – für Rollstuhlfahrer erreichbar –, ein Waldlehrpfad, Wiesen und Obstbäume ermöglichen es, die landwirtschaftliche Arbeit in die Therapien einfließen zu lassen.

Ponys striegeln oder Hasen streicheln – die Tiere am Hof motivieren die Kinder und wirken gleichzeitig beruhigend, erklärt Schöllenberger-Baumgartner. Zweimal pro Woche schaut ein Therapiehundeteam vorbei und unterstützt beim Mobilitätstraining. „Wenn die Kinder die Hunde führen dürfen, wird das Gehen zur Nebensache.“

Im Gegensatz zu Trainings nach Unfällen seien die Klienten hier ein Leben lang auf die Behandlungen angewiesen. Deswegen sei den Vereinsmitgliedern und Therapeuten die ganzheitliche Förderung so wichtig. „Für die Kinder sind es keine Therapiestunden – sie nehmen es einfach als Spielenachmittag wahr“, schildert die Obfrau. Einen Kegel greifen und dabei aufrecht sitzen, im Stehen einen Ball werfen oder beim Punktezählen das Rechnen üben – je nach Bedürfnis stärkt jedes Kind seine Fähigkeiten beim gemeinsamen Kegeln. „In der Gruppe macht es eben viel mehr Spaß.“

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Dass immer wieder Kindergartenkinder am Hof vorbeischauen, sei für alle wertvoll, meint Schöllenberger-Baumgartner. „Es gibt einen regen Austausch. Die Kindergartenkinder sehen, dass es auch etwa Kinder im Rollstuhl gibt, die normale Arbeiten am Hof machen.“ (jazz)

Der Spaß steht bei den Trainingseinheiten im Vordergrund.
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