Leistbares Wohnen in Tirol: Walser für Bebauungsfrist für gewidmetes Bauland

Vor dem politischen Herbst nimmt die Debatte über leistbares Wohnen Fahrt auf. Wirtschaftskammerboss überrascht jetzt mit Vorstoß.

Bauen statt horten: Hier sind sich die Tiroler Sozialpartner und die Landespolitik einig.
© thomas boehm

Von Peter Nindler

Innsbruck – Für Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser ist der Vorschlag der Tiroler Sozialpartner, vermehrt landwirtschaftlich nicht genutzte Flächen wie Wald oder unproduktive Flächen für die Verbauung zu nutzen, nur einer von vielen Punkten zum leistbaren Wohnen. „Wir wollen Denkanstöße liefern, ich weiß aber auch, dass das brachliegende Bauland in Tirol aktiviert werden sollte.“ Die Empfehlung der Grünen für einen jährlich steigenden Infrastruktur-Bereitstellungsbeitrag bezeichnet Walser als nicht sinnvoll. „Deshalb wird kein Grundbesitzer Bauland mobilisieren, sondern vielmehr den Beitrag auf den Grundpreis aufschlagen.“ 3000 Hektar Bauland sind in Tirol gewidmet, allerdings nicht verbaut.

Selbstverständlich muss aus der Sicht des Wirtschaftskammerpräsidenten die Spekulation mit Bauland verhindert werden. Deshalb kann er sich eine Bebauungsfrist von zehn Jahren vorstellen. „Für Grundstücke von mehr als 1500 Quadratmetern.“ Denn Eltern hätten oft für ihre Kinder Flächen erworben, die sollten hier ausgenommen werden, regt Walser an.

„Auf Bauland­flächen von mehr als 1500 m2 sollte innerhalb von zehn Jahren gebaut werden", sagt Christoph Walser, VP 
(Wirtschaftskammerchef).
© Thomas Boehm / TT

Wird nicht gebaut, spricht sich Walser für eine Rückwidmung aus. Bei Gewerbe­flächen würde Walser die Frist auf 20 Jahre ansetzen. „Schließlich haben die Gemeinden ebenfalls Interesse daran, dass die Gewerbegebiete von den Betrieben genützt werden.“

Ähnlich wie Walser argumentiert die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik. Im Gegensatz zum Wirtschaftskammerpräsidenten würde die SPÖ-Abgeordnete nicht bebaute Baulandflächen zwangsversteigern. „Wenn über einen langen Zeitraum auf dafür vorgesehenen Flächen nicht gebaut wird, wird damit auch die raumplanerische Zielsetzung der Gemeind­e über die Entwicklung des Siedlungsgebietes unterlaufen.“

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"Wird nicht gebaut, soll das Bauland zurück an die Gemeinde gehen oder zwangsversteigert werden", sagt Elisabeth Blanik, SPÖ (Abgeordnete).
© Foto TT / Rudy De Moor

Auf Bauland solle, so Blanik weiter, gebaut werden. „Nicht irgendwann, sondern innerhalb von 10 Jahren. Wenn das nicht passiert, wollen wir, dass das Bauland entweder wieder zurück an die Gemeinde geht oder zwangsversteigert wird.“

Vor einem massiven Verbrauch von Grundflächen für den Bau von Chaletdörfern warnen die Grünen. Es sei eine der vordringlichen Aufgaben der Raumordnung, unnötigen Flächenfraß zu verhindern. „Wenn die Gemeinden die Sonderflächenwidmung für Chaletdörfer nicht zum Bodensparen nützen, dann kann ich mir auch vorstellen, dass wir hier landes­seitig nachschärfen werden“, betont Klubchef Gebi Mair.


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