Libanon feiert 100. Jahrestag der Staatsgründung

Inmitten einer der schwersten Krisen seiner Geschichte hat der Libanon den 100. Jahrestag seiner Staatsgründung gefeiert. An der Zeremonie nördlich der Hauptstadt Beirut nahm am Dienstag auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teil. In einem Zedernwald pflanzte Macron einen Baum, wie libanesische Medien meldeten.

Überschattet wird das Jubiläum von den Folgen der verheerenden Explosion im Hafen der Hauptstadt Beirut vor genau vier Wochen. Bei der Katastrophe kamen mehr als 180 Menschen ums Leben, mehr als 6.000 wurde verletzt. Große Teile des Hafens liegen in Trümmern. Auch umliegenden Wohngebiete wurden stark zerstört.

Im Anschluss an die Zeremonie zum Jahrestag besuchte Macron den Hafen erneut. Er war am Vorabend zu seinem zweiten Besuch nach der Explosion in Beirut eingetroffen. Unmittelbar nach seiner Ankunft bekräftigte er seine Forderung nach politischen Reformen im Libanon. Macron warnte, dass langfristige internationale Hilfe nur ausgezahlt werde, wenn bis zum kommenden Oktober Reformmaßnahmen eingeleitet worden seien. Dann werde es einen „Folgemechanismus“ geben, kündigte er an.

In einem Interview der Nachrichtenseite „Politico“ sagte Macron, die nächsten drei Monate seien „fundamental“ für einen wirklichen Wandel. Sollte dieser ausbleiben, werde er den Kurs ändern und Strafmaßnahmen ergreifen. So könnten auch Sanktionen gegen die Führungsklasse verhängt werden. „Es ist die letzte Chance für dieses System.“

Als frühere Kolonialmacht hat Frankreich noch immer enge Beziehungen zum Libanon. Der französische General Henri Gouraud hatte am 1. September 1920 den Großlibanon ausgerufen. Der neu gegründete Staat stand unter französischem Mandat und wurde erst 1943 unabhängig.


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