„Als wir tanzten“: Ein Tanz mit der Freiheit

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Verbotenes Begehren: Hauptdarsteller Levan Gelbakhiani wurde für „Als wir tanzten“ vielfach ausgezeichnet.
© Polyfilm

Innsbruck – Knallhart und aufrecht sollen sie sein, die Tänzer des Georgischen Nationalballetts. Das bekommt Merab (Levan Gelbakhiani) eingebläut. Merab will es ins Ensemble schaffen. Er will alles richtig machen, arbeitet verbissen. Komme, was wolle. Doch dann kommt Irakli (Bachi Valishvili) – und der ist ähnlich ehrgeizig. Ein Rivale also. Zunächst jedenfalls. Aus der Konkurrenz entwickelt sich Begehren. Leben können sie ihr Glück nur im Tanz.

Levan Akins Film „Als wir tanzten“ erzählt von einem Coming-out im traditions­trunkenen Bunker eines repressiven Systems. Georgiens erster offen queerer Film wurde 2019 in Cannes gefeiert. In Georgien selbst kam es bei der Premiere zu Ausschreitungen. Die orthodoxe Kirche sorgte sich lautstark, Rechtsextreme beschossen Kinogänger mit Feuerwerkskörpern. Dass er an einem Tabu rüttelte, war Regisseur und Autor Akin schon beim Dreh bewusst: Gedreht wurde im Geheimen. Den Druck, dem alle an der Produktion Beteiligten ausgesetzt waren, sieht man dem Film nicht an. Vor allem den betörenden Choreografien nicht.

Aber man spürt ihn. „Als wir tanzten“ ist auch Film über diesen Druck – und zeigt, wie der Körper zum Ventil dafür werden kann. Wo Luca Guadagninos thematisch verwandte Romanze „Call Me by Your Name“ (2017) noch die Schönheit kleiner Gesten ­feiert, zeigt „Als wir tanzten“, wie sich Lust und Verzweiflung befeuern und – im Training und im Technoclub – in Bewegung entladen. Diese Szenen sind wunderschön, fulminant, mitreißend – und machen traurig. Weil man weiß, dass der Tanz jeden Moment vorbei sein kann. (jole)

📽 Trailer | „Als wir tanzten“


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