Pilotprojekt im Iseltal: Notfalleinheiten auf dem Land umsetzen

Das Rote Kreuz organisiert im Iseltal die notärztliche Versorgung. Das Pilotprojekt könnte Schule machen.

Die mobile Notfalleinheit Matrei ist rund um die Uhr mit einem Notfallsanitäter und einem Notarzt besetzt und einsatzbereit.
© Rotes Kreuz

Von Christoph Blassnig

Matrei i. O. – Die medizinische Versorgung im Iseltal stand 2019 vor großen Herausforderungen. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg hatte am 2. Mai dem Verein Notarztverband Osttirol mit dessen Obmann Gernot Walder die Zuständigkeit für die notärztliche Versorgung im Iseltal entzogen. Mittlerweile haben sich damals gegen den Verbandsobmann erhobene Vorwürfe als haltlos herausgestellt, die Tiroler Tageszeitung berichtete. Der Matreier Bürgermeister Andreas Köll hatte gemeinsam mit dem Hubschrauberunternehmer Roy Knaus für die Sommersaison ein „Boden-Luft-Kombisystem“ installiert. Zum Saisonende Mitte Oktober 2019 verließ der stationierte Rettungshubschrauber Martin 4 Osttirol jedoch wieder. Das Rote Kreuz musste kurzfristig einspringen und hatte die ersten Monate über Schwierigkeiten, sämtliche Dienste tatsächlich lückenlos mit Notärzten zu besetzen.

„Seit dem Frühjahr des heurigen Jahres können wir der Iseltaler Bevölkerung und den Tausenden Touristen der Nationalparkregion ein verlässliches System anbieten“, erklärt Stephan Hofmann, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Osttirol. Die Rettungsorganisation sei vom Land mit der Bereitstellung der notärztlichen Versorgung im Iseltal beauftragt. „Wir haben uns mit allen Systempartnern gut eingespielt und wollen auf dieser Basis weiterarbeiten.“ Als Notärzte reisen auch Mediziner aus Salzburg, Kärnten und aus der Steiermark eigens an. „Notärzte, die im Knaus-Rettungshubschrauber Dienst tun, kommen oft sogar von noch weiter her“, berichtet der Geschäftsführer. Insofern sei für die Wintersaison eine Zusammenarbeit mit dem privaten Hubschrauberunternehmen geplant, damit dessen Ärzte auch bodengebunden für die mobile Notfalleinheit tätig werden könnten. Derzeit arbeiten alle Mediziner auf Werkvertragsbasis.

Der Vertrag zwischen dem Land und dem Roten Kreuz ist erst im Juli verlängert worden, allerdings wieder mit einem Ablaufdatum am Jahresende. „Wir wünschen uns eine langfristige Lösung“, sagt Hofmann. Das würde der Rettungsdienst Tirol GmbH auch die Anstellung von Notärzten ermöglichen. Die Diensteinteilung wäre erleichtert.

Die mobile Notfalleinheit Matrei läuft für das Land als Pilotprojekt. Kann die Einrichtung erfolgreich betrieben werden, soll das System auch anderswo Anwendung finden, genannt wird etwa das Lechtal. „Auf Basis unserer Evaluierung wird entschieden, in welcher Form die Umsetzung ähnlicher Projekte zukünftig auch in anderen Landesteilen möglich ist“, heißt es dazu aus dem Büro des Gesundheitslandesrates Bernhard Tilg. Für Stephan Hofmann ist der Aufwand für die notfallmedizinische Versorgung am Land jedenfalls nicht mit jener in der Stadt direkt zu vergleichen. „Es muss bei der Betrachtung auf die versorgte Fläche, nicht auf die Einwohnerzahl Bedacht genommen werden.“


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