Tirol

Geisler: „Abschuss von Wolf ist nicht realistisch“, Tirol will EU klagen

Geisler: „Ein guter Erhaltungszustand würde mehr als 100 Wölfe bedeuten. Das funktioniert in Tirol nicht.“
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Agrarreferent LHStv. Josef Geisler sieht derzeit keine Möglichkeit für Behörden, die Entnahme von Problemwölfen zu genehmigen.

Von Peter Nindler

Innsbruck – Grundsätzlich ist für den Bauernbundobmann und Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) die Koexistenz von Wolf und Almwirtschaft in den Hochgebirgslagen nicht möglich. „Weil dort der Herdenschutz nicht umsetzbar ist.“ Die aktuellen Zurufe von allen Seiten, gegen die Problemwölfe vorzugehen, nimmt er zur Kenntnis. „Viele vergessen dabei jedoch, dass der Wolf ein streng geschütztes Tier ist.“ Natürlich könne jeder einen Abschuss oder die Entnahme eines Wolfes verlangen, doch den Behörden seien bei ihren Entscheidungen Grenzen gesetzt.

In der Vorwoche wurde in Tirol der Abschuss von zwei Wölfen beantragt, Geisler geht davon aus, dass die Bezirkshauptmannschaften das Land um Prüfung bitten werden. „Obwohl wir gelindere Maßnahmen mit dem Herdenschutz oder einer Besenderung setzen, um die Problemwölfe zu vergrämen, hat das noch nichts genützt. Trotzdem kann ein Abschuss nicht verordnet werden, weil ein guter Erhaltungszustand des Wolfes bei uns nicht gegeben ist.“

Aber gerade die Frage der Wolfspopulation ist für Geisler die entscheidende. „Das funktioniert bei uns nicht, die Ansiedelung von mehr als 100 Wölfen würde das Aus für unsere traditionelle Almwirtschaft bedeuten.“

Tirol erwägt Klage gegen EU

Einzig in einer Änderung des Schutzstatus für Regionen, wo die Almwirtschaft für den Erhalt der Natur- und Kulturlandschaft notwendig ist, sieht Geisler die Möglichkeit, einen Schritt vorwärts zu kommen. Das Land verfolgt deshalb zwei Stoßrichtungen. Zum einen geht es um die Ungleichbehandlung Österreichs gegenüber anderen Staaten wie Finnland, Polen oder Griechenland. „Dort genießt der Wolf einen geringeren Schutzstatus, eine Entnahme wäre leichter“, betont Geisler. Eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof werde deswegen in Erwägung gezogen. „Das muss dann natürlich sehr gut mit Gutachten untermauert sein. Aber da sind wir dran.“

Lobbying ist das andere Druckmittel, „denn nicht nur wir, sondern auch andere EU-Staaten haben mittlerweile ein Problem mit den Wolf“, erklärt Geisler. Über den europäischen Bauernverband werden bereits Gespräche für eine EU-weite Bürgerinitiative geführt. Ist sie erfolgreich, muss sie zumindest von der EU-Kommission und dem EU-Parlament behandelt werden. Aber allein dieser Vorstoß würde bereits Bewegung in die Diskussion bringen, ist Geisler überzeugt. Derzeit will die EU-Kommission bekanntlich partout nicht am Wolf-Schutz rütteln.

Aus sieben EU-Ländern benötigt es für die Bürgerinitiative aktive Unterstützer. Und danach insgesamt eine Million Unterschriften – in jedem Land eine vorgeschriebene Mindestanzahl. In Österreich wären 13.395 Unterstützungserklärungen notwendig.

Dass der Jägerverband die Schäden für gerissene Schafe nicht mehr über seine Versicherung abgelten will, versetzt Geisler nicht in Unruhe. „Wir werden die Schafbauern sicher nicht hängen lassen.“

Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger fordert indessen eine Landeshaftung für durch Wölfe gerissene Schafe in der Höhe der Entschädigungszahlung für Rinder nach dem Tierseuchengesetz.