Citroën Ami: Ein kleiner Freund für wirklich alle

City-Mobilität kann in vielen Formen daherkommen: Der Ami von Citroën tut es als batterieelektrischer Zweisitzer mit Moped-Zulassung und allwettertauglicher Überdachung.

Knuffig, klein, elektrisch: Der Citroën Ami ist eine ebenso clevere wie erschwingliche Alternative für den urbanen Raum – und wetterfest.
© Citroën

Von Stefan Pabeschitz

Berlin – Das Wort Moped-Auto hört Citroën nicht so gerne, wenn es um seinen elektrischen Stadtfloh geht – die Nähe zum Behelfsvehikel wegen Führerscheinverlust aufgrund von Alter oder Alkohol ist auch nicht verlockend. Tatsächlich will der Ami gar nicht in Wettbewerb zu den ratternden Kleinstvehikeln von Aixam oder Ligier treten. Er versteht sich als modernes Mobilitätskonzept für den urbanen Raum und wetterfeste Alternative zum Zweirad. Dass er ab 15 Jahren mit einem Mopedschein zu lenken ist, ist eher eine Notwendigkeit der Einordnung in die Zulassungsvorschriften: Offiziell ist das vollkarossierte Gerät ein Quad.

Um die Idee möglichst simpel und leistbar, aber dennoch zeitgeistig spannend umzusetzen, wurde die Anzahl der Komponenten so weit wie möglich reduziert – mit dem Ergebnis, dass etwa Front- und Heckteil baugleich sind und sich nur durch ihre Leuchtenbestückung unterscheiden. Ebenso die Türen, von denen die linke hinten und die rechte vorne angeschlagen sind.

Viele einfache und zugleich schlaue Lösungen

Unter der Kunststoffhaut sitzt ein stabiler Stahlrahmen, der Vorderwagen wurde der Kompakt-Plattform der PSA-Gruppe entliehen. Auch drinnen stecken viele einfache und zugleich schlaue Lösungen – etwa der Stauraum für einen Kabinen-Trolley vor dem Beifahrersitz, die Schlaufen zum Öffnen der Türen oder viele clevere Ablageflächen. Den Komfortlevel hat Citroën auf Kurzstreckenansprüche reduziert: Belüftung nur für die Frontscheibe, Heizung an/aus – Ende. Die Sitze sind für längere Benutzung nur bedingt empfehlenswert, noch schmerzlicher fehlt ein Innenspiegel.

Was dem Sympathiewert des knuffigen Kleinstwagens aber keinerlei Abbruch tut: Die weit vorne stehende Frontscheibe und das Glasdach sorgen für ein offenes Raumgefühl – wie sehr sie den Mini-Franzosen im Hochsommer aufheizen, lässt sich aber schwer abschätzen. Ein wenig hat Citroën für das moderne Konzept auch in der eigenen Historie gekramt: Die nach oben aufschwingenden seitlichen Klappfenster gab’s schon im 2CV und auch der Name Ami, der an sich „Freund“ bedeutet, war schon mal da: ab 1961 im kompakten Ami 6, mit Artikel ausgesprochen „la Missis“, das Fräulein.

Mit acht PS deswegen ausreichend motorisiert

Aus dem ist nun eher ein Kumpel für die Stadt geworden: Robust und trotz der Rahmenkonstruktion völlig unfiligran wirkend, mit den Batterien auf der Vorder- und dem Motor über der Hinterachse gut ausbalanciert. Und schmal genug, um sich durchzuquetschen, wo es für Pkw längst nicht mehr geht. Dazu äußerst wendig und mit acht PS deswegen ausreichend motorisiert, weil das Drehmoment des E-Motors die geringe Leistung locker wettmacht. Etwas mehr als die 45 km/h Höchstgeschwindigkeit wünscht man sich zwischendurch dennoch, einfach der Reserven wegen.

Die Reichweite verspricht 75 Kilometer, die im harten Live-Test des Berliner Verkehrs­dschungels nicht zu erreichen waren – nur etwas unter 50 wurden daraus in der Praxis. Was als akzeptabel durchgeht, weil der Ami in drei Stunden an einer Haushaltssteckdose wieder voll aufgeladen ist. Eine App zur Fernabfrage von Daten wie Ladezustand oder Reichweite gibt es auch.

Für den Österreich-Marktstart im Sommer kommenden Jahres stehen noch keine Preise fest – die französischen Tarife ab 6900 Euro dürften aber auch hierzulande hinkommen, ebenso die günstigen Leasingangebote ab 19,90 Euro pro Monat. Über 80 Prozent der Käufer im Mutterland entschieden sich seit Mai übri-gens für die mittlere Ausstattungsvariante mit Applikationen in vier unterschiedlichen Farben.


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