Bundesheer

Luftraumüberwachung: Geld für die Goldhaube, Warten auf die Helikopter

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) beim Lokalaugenschein bei der Radarstation am Kolomannsberg bei Salzburg.
© Bundesheer/Karlovits

Das Bundesheer steckt Geld in die Luftraumüberwachung. Die Entscheidung für 18 Hubschrauber lässt aber auf sich warten.

Wien, Salzburg – Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) freut sich über eine Vollzugsmeldung: Sie besuchte die Radarstation am Kolomannsberg im oberösterreichisch-salzburgischen Grenzgebiet, um dort über eine Investition von 21 Millionen Euro in die passive Luftraumüberwachung zu berichten. Ebenfalls für den Sommer angekündigt hatte sie eine Entscheidung für den Ankauf von 18 neuen Hubschraubern. Noch ist aber kein Termin bekannt. Die Anbieter nützen die Wartezeit für Lobbying-Aktivitäten.

Die Station am Kolomannsberg wird komplett erneuert. Sie ist Teil der „Goldhaube“, wie die Militärs das österreichweite Radarsystem nennen. Weitere feste Stationen gibt es am Steinmandl (Niederösterreich) und auf der Koralpe (Kärnten). Es handelt sich um ein so genanntes „Primärradar“. Anders als die zivile Luftraumüberwachung kann dieses militärische System auch Fluggeräte erkennen, die ihr Erkennungssystem absichtlich oder unabsichtlich ausgeschaltet haben. Erkennt die „Goldhaube“ – der passive Teil der Luftraumüberwachung – ein derartiges Flugzeug, steigen zur Identifizierung die Eurofighter auf – sie sind der aktive Teil.

Wesentlich größer ist mit 300 Millionen Euro der geplante Umfang der Hubschrauber-Beschaffung. Die 18 Maschinen sollen die ein halbes Jahrhundert alten Alouette-III-Helikopter ersetzen. Ende 2023 wird es endgültig nicht mehr möglich sein, sie sicher zu betreiben, heißt es beim Militär.

Das Heer braucht Ersatz für seine Alouette-Hubschrauber.
© APA

Der Generalstab hat bereits Ende Mai den Ankauf eines italienischen Produkts – das AW169M von Leonard­o – empfohlen. Noch ist die Entscheidung aber nicht gefallen.

Das macht auch anderen Anbietern wieder Hoffnung: Aus dem Airbus-Konzern steht der H145M zur Auswahl. Tanners Verhältnis zu Airbus ist wegen des Streits um die Eurofighter („Airbus wird mich noch kennen lernen“) angespannt. Befürworter dieser Lösung meinen aber, es sollten nicht alle Gesellschaften dieses Konzerns in einen Topf geworfen werden.

Auch der US-Hersteller Bell verstärkt seine Bemühungen und lädt nächste Woche zu einer Präsentation seines Bell 429 mit US-Botschafter Trevo­r Traina als Ehrengast.

Das wichtigste Argument von Bell und Airbus: Der AW169M sei größer als ursprünglich geplant – und damit auch wesentlich teurer.

Einkaufen will das Bundesheer nach den Lehren aus dem Eurofighter-Deal aber ohnehin nicht bei einem Konzern direkt, sondern unter Einschaltung einer Regierung. Im Fall Airbus wäre das die deutsche. (sabl)