Initiative warnt vor Ausbau des Plöckentunnels: „Keine Transitachse werden“

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Von Christoph Blassnig

Lienz – Wird Osttirol Teil einer neuen europäischen Transitachse? „Ja, diese Gefahr ist groß wie lange nicht“, warnt die Initiative Stopp Transit. Ihre Befürchtungen bestätigt sieht die Osttiroler Bürger­initiative durch einen kürzlich veröffentlichten Plöckentunnel-Beschluss des Regionalrates der Region Friaul-Julisch-Venetien (FVG). Darin wird die FVG-Regionalregierung verpflichtet, mit Mitteln aus dem Corona-Wiederaufbaufonds der Europäischen Union den Tunnel des Monte Rest und jenen durch den Plöcken zu realisieren sowie die Zulaufstrecken dorthin zu verbessern.

Während der frühere Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (Freiheitliche) entschieden gegen einen Ausbau der Straße über den Plöcken auftrat, erklärte der derzeitige Kärntner Verkehrslandesrat, Martin Gruber (ÖVP), erst im heurigen Frühjahr, der Bau eines Scheiteltunnels sei nach wie vor ein Thema. Dazu wurde eine Machbarkeitsstudie präsentiert, die für den Bau einer dreieinhalb Kilometer langen Scheiteltunnelvariante Kosten von 117 Millionen Euro errechnet hat.

Auch auf italienischer Seite sind die Bemühungen für eine Transportwegerschließung über den Plöcken nicht neu, im Gegenteil. Die Alemagna-Autobahn harrt schon seit mehr als zwei Jahrzehnten ihrer Verlängerung in den Norden. Frischen Antrieb erfahren die Befürworter im Veneto, seit China die Einrichtung einer neuen Seidenstraße aus Asien über die beiden italienischen Frachthäfen in Triest und Genua nach Europa betreibt. Ursprüngliche Planungsvarianten, die Alemagna über das Arntal, das Brixen- oder das Zillertal an den süddeutschen Raum anzuschließen, sind zwar längst vom Tisch, aufrecht dagegen ist eben der geplante Ausbau der Strecke über den Plöcken. Durch das Drautal wäre dann der Weg zur Tauernautobahn eröffnet. Osttirol könnte mit dem Felbertauerntunnel als neue Transitachse dienen.

„Davor haben wir immer gewarnt“, sagt Gerhard Unterweger, Sprecher der Initiative Stopp Transit. Zwar gebe es auch auf österreichischer Seite Stimmen aus der Wirtschaft, die den Ausbau der Verkehrswege durch Osttirol und Kärnten befürworten würden. Beschlossen wurde erst kürzlich der weitere Ausbau der Drautalstraße. „Argumentiert wird immer mit den Arbeitsplätzen und Betrieben vor Ort“, mahnt der Sprecher der Initiative. „Tatsächlich baut man Routen für den Transitverkehr, erst recht keine Ausflugs- und Touristenstraßen.“ In Tolmezzo, 40 Kilometer südlich des Plöckenpasses an dessen Zufahrtsstraße gelegen, sei bereits der Bau eines neuen Logistikzentrums geplant, hat Unterweger herausgefunden. 60.000 Quadratmeter groß soll das Gelände dafür sein. „Der Unterschied zwischen regionalem Schwerverkehr und dem Transit ist, dass jener zu allen Tag- und Nachtzeiten beinahe im gleichen Ausmaß unterwegs ist. Wir müssen uns davor schützen.“

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