Nach Eklat um "Telfer Blut" in Antrag: Mandatarin schließt Rücktritt aus

Das Rathaus in Telfs.
© Domanig

Telfs – „Telfer Blut – für Telfs heißt aus Telfs“: Mit diesen Worten hat Gemeindevorständin Angelika Mader (ÖVP) einen Antrag überschrieben – und damit, wie berichtet, heftige Kritik im Telfer Gemeinderat ausgelöst. Orts- und Landespartei verlangen ihren Rücktritt aus der ÖVP-Fraktion. Doch für Mader war das auch gestern kein Thema: Mit dem Antrag, in dem sie fordert, dass der Geschäftsführer der Telfer Gemeindewerke (GWT) dienstfrei gestellt und tunlichst betriebsintern durch einen Telfer ersetzt werden solle, habe sie sich nur „für die Mitarbeiter der GWT einsetzen“ wollen, die sich wegen massiver Konflikte mit der Geschäftsführung an Gemeinderäte gewandt hätten.

Dass „Telfer Blut“ an NS-Terminologie erinnere, sei ihr nicht bewusst gewesen, wiederholt sie. „Ich hatte keinen Gedanken in diese Richtung, dachte an die komische Operette ,Wiener Blut‘ und das Herzblut der Mitarbeiter.“

Durch den Eklat sowie den Rücktritt von Maders Fraktionskollegen Vinzenz Derflinger geriet ein weitreichender Beschluss in der Sitzung fast in den Hintergrund: Der Gemeinderat segnete mit großer Mehrheit ein Nachtragsbudget ab, das wegen der Covid-Krise nötig wurde. Denn die Pandemie hat auch Tirols drittgrößte Gemeinde wirtschaftlich stark getroffen: Der geschätzte Einbruch bei den Abgaben­ertragsanteilen betrage rund 1,6 Mio. Euro, bei der Kommunalsteuer ca. 470.000 Euro, berichtete BM Christian Härting (Wir für Telfs). Also habe man das Budget 2020 überarbeiten und Posten für Posten auf Einsparungen durchgehen müssen. Dadurch – und durch die Covid-Sonderzuweisung des Landes – habe man einen ausgeglichenen Finanzierungshaushalt (41,9 Mio. Euro) schnüren können. Auch der Zuschuss des Bundes für Investitionen fließt teils schon ins Nachtragsbudget ein.

Von Teilen der Opposition kam Kritik: „Nicht alle Einbrüche sind auf Covid-19 zu schieben“, meinte GV Mader, man habe jahrelang verabsäumt, Reserven anzusparen. „Wir haben immer noch 600.000 Euro an Rücklagen und weitere 600.000 aus Grundverkäufen, die wir ebenfalls nicht antasten“, konterte Härting. Auch Zuschüsse für das Telfer Bad verteidigte er, die Abgänge lägen in der von ihm stets prognostizierten Höhe – und er lasse sich das „Erfolgsprojekt“ nicht schlechtreden. (md)

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