Beim E-Auto-Teilen ist die Stadt Kufstein Vorreiter

E-Carsharing-Angebot ist in allen Stadtteilen Kufsteins vertreten. 2018 wurde mit drei Pkw gestartet, jetzt stehen neun Fahrzeuge zur Verfügung.

Die Beecars gehören mittlerweile zum Stadtbild.
© Stadtwerke

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Teilen – so lautet die Idee, die hinter Carsharing steht. Das „Auto-Teilen“ ist in Kufstein auch besonders in, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Gschwentner berichten konnte. Vor zwei Jahren war Beecar mit drei Fahrzeugen in der Festungsstadt gestartet worden – und mittlerweile gibt es in Kufstein neun Elektro-Pkw. „Mit den beiden neuen Standorten im Ortsteil Endach und im Stadtzentrum von Kufstein ist seit September für fast jede Kufsteinerin und jeden Kufsteiner innerhalb von zehn Gehminuten ein Pkw erreichbar“, wie man bei den Stadtwerken stolz mitteilt. Und ein weiterer „kundenorientierter“ Ausbau wird ins Auge gefasst, wirft GF Gschwentner einen Blick in die Zukunft. Sprich, Stadteile mit besonders starker Nachfrage könnten zusätzliche Fahrzeuge bekommen. In der Dichte des Angebots dürfte auch der Grund für den Erfolg liegen. Nach einem durch Corona bedingten Einbruch während des Lockdowns im Frühjahr haben die mit den Fahrzeugen zurückgelegten monatlichen Kilometer im August mit über 15.000 Rekordhöhe erreicht. „Die durchschnittliche Ausleihdauer des Fahrzeugs beträgt vier Stunden“, berichtet Projektleiter Martin Tschurtschenthaler. Dabei werden im Schnitt an die 40 Kilometer zurückgelegt.

Seinen Ausgang hatte das Carsharing in einem 2018 gestarteten Leaderprojekt, das von Land und Europäischer Union über das Regionalmanagement KUUSK – dem Kufstein und die umliegenden Gemeinden angehören – unterstützt wird. Elektroautos wurden damals in Kufstein, Niederndorf, Langkampfen und Kössen stationiert. Mit Mitte 2021 will man diese in Kufstein übrigens kostendeckend betreiben. Dazu benötige man eine „tägliche Ausleihdauer von fünf Stunden“, um die 700 Euro betragenden monatlichen Betriebskosten pro Fahrzeug zu erreichen. „Es gibt Fahrzeuge, bei denen wir über diesem Wert liegen“, verrät GF Gschwentner.

Das Thema Verkehr brennt bekanntlich den Kufsteinern ganz besonders unter den Nägeln. Nicht nur der Transitverkehr, der sich wegen der Grenzkontrollen an der Autobahngrenze an den reisestarken Wochenenden auch durch das Stadtzentrum staut, auch der selbstgemachte innerstädtische Verkehr nimmt ständig zu. Daher wird jedes Instrument zur Verkehrsreduzierung im Rathaus begrüßt, wie auch Vizebürgermeisterin Brigitta Klein bestätigt.

Das Projekt katapultiert nach den Worten von LHStv. Ingrid Felipe die Kufsteiner in Sachen Carsharing an die Österreichspitze. „Ein Angebot, wie es in Kufstein verfügbar ist, sucht man sonst in vergleichbaren Städten vergebens. Kufstein ist damit ein absoluter Vorreiter in der Mobilitätswende und ein wichtiger Baustein zum flächendeckenden Ausbau der E-Carsharing-Angebote in Tirol“, lobt sie das Projekt. Kufstein hätte damit ein besseres Angebot wie zum Beispiel Graz, „und das ist mit Verlaub doch noch ein Stückerl größer“, sagt die grüne Landespolitikerin. Und fügt an: „Die Zukunft der Mobilität liegt im Teilen.“ Das betreffe nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder oder den öffentlichen Verkehr. Seitens der Stadtwerke denkt man auch an eine Kooperation mit dem Tourismus. „Aber in erster Linie geht es um die Kufsteiner“, sagt Gschwentner.

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