Gämsen auf Nordkette erlegt: Justiz lehnte Wilderern Diversion ab

Generalpräventives Zeichen gegen Wilderer von der Innsbrucker Nordkette. Wegen schwerer Schuld beidseits Verurteilungen am Landesgericht.

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© Markus Krapf

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Einen Einsatz der Polizeispezialeinheit Cobra nahe der Hafelekarspitze hatte es in Tirol bis zum Oktober 2018 noch nicht gegeben. Damals wurden im Bereich der „Gleirscherzähne“ zwei Wilderer beim Erlegen von Gämsen beobachtet. Die Polizei musste die alpine Fahndung mittels Hubschrauber erledigen und nahm aufgrund der Gewehre gleich Cobra-Beamte mit. Östlich der Seegrube wurden die zwei Akademiker festgenommen.

Im Jänner letzten Jahres drückten beide am Landesgericht erstmals die Anklagebank und kristallisierten sich als Jäger heraus, welche die städtische Eigenjagd „Samertal“ wie ihre Westentasche kannten. Hatte das Duo doch über drei Jahre ein so genanntes „Abschusspaket“ im Innsbrucker Revier. Dabei war es laut Angeklagten jedoch immer wieder zu Uneinigkeiten mit der Stadt bis hin zu unerklärbaren Abschüssen gekommen. Im Ausgleich für sieben entgangene schossen die nunmehrigen Wilderer deshalb zwei Gamsgeißen. Verteidiger Ulrich Ortner plädierte deshalb letztes Jahr für eine Diversion statt Vorstrafe für die zwei Akademiker. Eine solche war erstinstanzlich auch mit je 60 Stunden gemeinnützigen Leistungen gewährt worden, welche vom Duo auch sofort erbracht worden waren.

Kurz darauf entschied das Oberlandesgericht (OLG) jedoch über den Einspruch der Staatsanwaltschaft gegen die gewährte Diversion. Und siehe da: Auch der OLG-Senat sah in der Art der Wilderei eine schwere Schuld und eine Tat mit großem sozialen Störwert. Umstände, welche für das OLG eine diversionelle Regelung für die Wilderer aufgrund generalpräventiver Überlegungen ausgeschlossen hatten.

So ging es gestern erneut an die erste Instanz. Beide Angeklagten blieben bei ihren Aussagen, verwiesen aber auf die Ableistung der gemeinnützigen Leistung sowie volle Schadensgutmachung gegenüber der Stadt Innsbruck – 2329,49 Euro waren die Gämsen letztlich wert gewesen. Verteidiger Ortner betonte, dass den beiden doch das aufrichtige Geständnis nun nicht auf den Kopf fallen dürfe. Einer der Angeklagten erörterte, dass eine allzu hohe Strafe den Gewerbeentzug bedeuten könnte und dies „wohl nicht mehr angemessen“ wäre. Bei einer Strafandrohung von bis zu drei Jahren Haft ergingen dann nicht rechtskräftig teilbedingte 5400 Euro (1800 unbedingt) und teilbedingte 1080 Euro (360 Euro unbedingt) Geldstrafe zusätzlich zu je 200 Euro Verfahrenskosten.


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