Umjubelter Neustart an der Staatsoper mit „Madama Butterfly“

Der Startschuss ist geglückt: Mit Giacomo Puccinis „Madama Butterfly“ in der 2005 entstandenen Inszenierung von Anthony Minghella hat die Wiener Staatsoper am Montagabend nicht nur die neue Saison eingeläutet, sondern auch die Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Coronasperre im Frühjahr und den Beginn der Direktion von Bogdan Roscic - und das alles, obwohl niemand auf den Neo-Chef hörte.

Dessen Empfehlung vor einigen Tagen, doch aus Coronaprävention auf Bravorufe zu verzichten, wurde am Abend großflächig ignoriert. Allen voran wurde Asmik Grigorian, die 2018 in Salzburger als „Salome“ zum Superstar aufstieg, bei ihrem Einstand im Haus am Ring für ihre reife Interpretation der Titelpartie gefeiert. Auch das neue Ensemblemitglied Freddie De Tommaso lieferte als ebenso sorg- wie ruchloser Pinkerton einen formidablen Aufschlag für seine Zeit an der Staatsoper.

Der neue Musikdirektor Philippe Jordan führte das Staatsopernorchester indes bei seinem ersten Auftritt in neuer Funktion durchaus pathosaffin durch den Abend, was sich hervorragend mit der Inszenierung des 2008 verstorbenen Hollywoodregisseurs Minghella („Der englische Patient“) deckte, die ursprünglich in London Premiere gefeiert hatte und für Wien nun von Minghellas Witwe Carolyn Choa aufgefrischt wurde. Poetische Bilder und minimalistische Farbräume stehen hier neben kitschbejahendem Blumenregen.

Alles in allem also ein Neustart am Ring mit hohem Schauwert und großartiger Besetzung. Dabei markierte die „Madama Butterfly“ den Auftakt zu einem Reigen aus eigenen Premieren, zugekauften Inszenierungen und Wiederaufnahmen von älteren Arbeiten aus dem Staatsopernrepertoire, um nachfolgende Deutungen zu ersetzen. Insgesamt zehn Opern- sowie zwei Ballettpremieren sind so für die Spielzeit 2020/21 vorgesehen. Bereits am morgigen Dienstag legt man nach mit der Wiederaufnahme der „Elektra“-Inszenierung des mittlerweile verstorbenen Harry Kupfer.


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