Grundverkauf im Kaisertal ist auf Eis gelegt, Kufstein entgehen 1,5 Mio. Euro

Der Widerstand der Opposition verhindert den Grundverkauf im Kaisertal. Dem durch die Krise angespannten Kufsteiner Budget entgehen 1,5 Mio. Euro.

Das Kaisertal ist bei Jägern begehrt. Daher plant man eine Aufteilung des Jagdreviers auf mehrere Pächter.
© Wulf Pfeiffer

Von Wolfgang Otter

Kufstein – Es standen rund 1,5 Millionen Euro Einahmen für das Budget der Stadt Kufstein im Raum, zudem Mehreinnahmen für die Stadtwerke. Der Verkauf von knapp 500 Hektar Wald im Naturschutzgebiet im Kaisertal hätte dieses Geld sprudeln lassen sollen. Es war ein internes Geschäft geplant, bei dem die Stadt als Verkäuferin und die Stadtwerke als Käufer aufgetreten wären. Nicht zum ersten Mal wäre so frisches Geld ins Budget geflossen, ohne wirklich Grund hergeben zu müssen. Immerhin gehören die Stadtwerke der Stadt.

Die 500 Hektar hätten einen Teil des Kufsteiner Jagdgebiets betroffen – die TT berichtete. Sie ist derzeit an ein Mitglied einer prominenten Unternehmerfamilie aus Deutschland verpachtet. Noch bis 2025, dann läuft der Vertrag aus. Vom Ertrag – über dessen Höhe man schweigt – ist man nur wenig begeistert. Er könnte höher sein, sobald kein Berufsjäger aufgrund der Größe von 2500 Hektar mehr benötigt wird. Daher denkt man an eine Teilung. Die durch den Verkauf neu entstandene „Stadtwerke-Jagd“ und die Eigenjagd der Stadt könnten dann getrennt verpachtet werden. Damit ist laut Stadtwerke-GF Markus Atzl auch eine höhere Einnahme zu erzielen. Man rechnet mit 20 Euro pro Hektar im Jahr, wie Atzl bereits Mitte August gegenüber der TT erklärte.

Seither hätten die Vorbereitungen für das Geschäft emsig vorangetrieben und der Kaufvertrag heute dem Gemeinderat zur Entscheidung vorgelegt werden sollen. Nur diesmal schmeckte der Opposition der stadtinterne Deal überhaupt nicht. Bereits im Aufsichtsrat der Stadtwerke hat es starken Gegenwind gegeben. ÖVP-Gemeinderat Richard Salzburger ist einer der Gegner. Er erinnert daran, „dass das Kaisertal ein schützenswertes Naturjuwel ist. Es soll nicht zu einem Tummelplatz für Hobbyjäger werden. Man sollte sich auch der Bedeutung des Tales als Trinkwasserreservoir mehr bewusst werden anstatt noch mehr Flächen im Interesse der Forstwirtschaft durch Wegebau zu zerstören.“ Auch für Vizebürgermeister Hannes Rauch (Volkspartei) sollte das „Familiensilber“ nicht zur Budgetsanierung dienen. Die Gemeinsame Kufsteiner Liste (GKL) um StR Walter Thaler, der der FPÖ den Rücken kehrte, stößt ins gleiche Horn. Die deutsche Familie habe sich auch seit Jahrzehnten um das Gebiet gekümmert und sollte es weiterpachten können. Für Thaler diene außerdem das Geschäft ohnedies nur dazu, „damit der Bürgermeister seine Schulden abbauen kann, um dann in zwei Jahren gut dazustehen“.

Das Kaisertal soll nicht zu einem Tummelplatz für Hobbyjäger werden.
Richard Salzburger (Gemeinderatssitzung)

In zwei Jahren, also 2022, stehen nämlich wieder die Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen an. Stadtchef Martin Krumschnabel (Parteifreie) sieht nicht zu Unrecht ein erstes Grollen des Wahlkampfes. Die Opposition, so Krumschnabel, wolle, dass Kufstein möglichst hart durch die finanziellen Auswirkungen der Krise getroffen wird, was auf ihn zurückfallen würde. Denn die 1,5 Mio. Euro wären angesichts des angespannten Stadtbudgets hilfreich gewesen. Der Bürgermeister hat den Punkt von der heutigen Gemeinderats-Tagesordnung genommen, weil er sich „die Streiterei“ nicht antun will, wie er sagt. Damit muss er nicht zwangsläufig auf die 1,5 Mio. verzichten. Sie könnten über eine Gewinnausschüttung der Stadtwerke fließen. Der Haushaltsvoranschlag für das Jahr 2021 wird es zeigen.

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