Tilg fordert: „Auch Hausärzte sollen Corona-Tests durchführen dürfen"

Mit dem Wissen von heute müsse im Herbst in Altenheimen und Spitälern vieles anders laufen, sagt der Tiroler Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP).

Bernhard Tilg, ÖVP (Gesundheitslandesrat): „Die Corona-Ampel ist ein guter Ansatz, die rechtsverbindliche Umsetzung ein Malheur.“
© Thomas Boehm / TT

Von Anita Heubacher

Innsbruck – Der Ruf nach „mehr Professionalität“ geht dieses Mal in die andere Richtung: nämlich von Tirol nach Wien. ÖVP-Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg fordert sie von der Bundesregierung, speziell vom grünen Gesundheitsminister Rudolf Anschober, ein. „Die Corona-Ampel ist ein guter Ansatz, die rechtsverbindliche Umsetzung ein Malheur“, meint Tilg. Keine Bezirkshauptmannschaft könne sich auf die Corona-Ampel-Regelungen verlassen. Tatsächlich muss der Nationalrat am 23. September die gesetzlichen Voraussetzungen schaffen. Was mit türkis-grüner Mehrheit auch passieren wird. Anders sieht es im Bundesrat aus. Dort könnten sich SPÖ und FPÖ auf ein Packl hauen und das Gesetz verzögern. Der Bundesrat tagt am 8. Oktober.

Neben den rechtlichen Schwierigkeiten sieht Tilg auch ein Problem bei der Umsetzung auf Bezirksebene. „Das ist viel zu großflächig.“ Eine Differenzierung auf Gemeindeebene müsse kommen. Die Ampel wartet nicht nur mit vier Farben, sondern für Tilg auch mit einer Menge ungelöster Fragen auf. „Was passiert mit Pendlern, wenn die Ampel auf Rot ist, was mit den zahlreichen Touristen?“

Klar sei, dass man seit März viel dazugelernt habe. Den Lockdown will Tilg nicht kritisieren. „Man hat es nicht besser gewusst.“ Jetzt sei vieles anders zu machen.

Im Frühjahr wurde in allen neun Krankenhäusern Tirols der Betrieb heruntergefahren. Das werde es nicht mehr geben. „Operationen sollen nicht mehr verschoben werden.“ Vorsorgemedizin müsse ebenso stattfinden. Die Häuser hätten als Flaggschiffe in der Pandemie einen guten Job gemacht, nun gehe es darum, „dynamisch“ Betten und Räumlichkeiten für Covid-Patienten frei zu halten. Man orientiere sich an der Hospitalisierungsrate. „Gibt es keine Covid-Patienten, kann man nicht tagelang Betten vorhalten.“ Corona hat ein Loch in die Budgets der Häuser gerissen. Klinikärzte, darunter Kardiologen und Krebsspezialisten, befanden, dass Nicht-Covid-Patienten zu kurz gekommen seien.

Die Besuchszeiten an den Kliniken sind derzeit nicht eingeschränkt, aber an die Ampel gekoppelt. „Steht die auf Rot, gibt es Besuchszeitbeschränkungen.“

Gar keine Besuche durften über lange Woche Senioren in Altenheimen empfangen. Auch das müsse im Herbst anders laufen, sagt Tilg. Beschwerden von Angehörigen und Bewohnern stehen in Österreich an. Sie werteten die Corona-Maßnahmen als Verstoß gegen die Grundrechte. Die Bundesregierung will einen „Pakt gegen Alterseinsamkeit“ schnüren. Die Ampel soll auch die Besuche im Altenheim regeln.

Streit um Corona-Tests

Noch einen Appell richtet Tilg an Wien: „Wie sollen Ärzte in der Ordination Grippe und Covid unterscheiden können?“ Er und LH Günther Platter fordern daher, dass niedergelassene Ärzte in der Ordination Corona-Abstriche machen dürfen. „Das sage ich seit Anfang Mai. Passiert ist seitens des Bundes nichts.“ Gesundheitsminister Anschober hatte zuletzt bei seinem Besuch in Tirol ein Einlenken signalisiert. Dass das so lange dauert, wundert Tilg. Es sei „erstaunlich“, dass sich diese Entscheidung monatelang hinziehe. Ohne niedergelassene Ärzte werde die Corona-Krise im Herbst nicht zu stemmen sein. Schutzausrüstung gebe es, anders als im Frühjahr, für die Ärzte genug.


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