Schlager-Konzert in Sölden ohne Abstand: Lokalbetreiber zieht Reißleine

Ein Social-Media-Video eines Konzertes in einem Lokal in Sölden Mitte August sorgt für Empörung. Darin zu sehen ist, dass keine Corona-Abstandsregeln eingehalten wurden. Nun folgen Konsequenzen.

Symbolfoto.
© EXPA/JOHANN GRODER

Von Thomas Parth

Sölden – Ein Social-Media-Video, welches die Besucher eines Tanzlokals in Sölden zeigt, wie sie am 15. August Party machen, „als hätte es Corona nie gegeben“, sorgt aktuell für Aufregung. „Die Causa fällt für mich unter die Kategorie dämlich“, nimmt sich BM Ernst Schöpf kein Blatt vor den Mund. Zwar habe die Gemeinde im vorliegenden Fall kaum eine Handhabe, da für das Lokal eine gewerberechtliche Genehmigung vorliegt, doch könne sich das Gemeindeoberhaupt ein restriktives Vorgehen gegen derartige Veranstaltungen bzw. gegen ausgewiesene Après-Ski-Lokale vorstellen, falls es nicht zu einem raschen Umdenken komme: „Es kann nicht sein, dass sich 95 Prozent an die Spielregeln halten und aufgrund der Dummheit einer Minderheit zu leiden haben. Sonst müssen wir solche Lokale gänzlich geschlossen halten.“

📽 Video | Konzert in Sölden: Bürgermeister empört

Um beurteilen zu können, ob eine Gefährdung vorliege, müsste sich an jenem Abend tatsächlich ein Covid-19-Infizierter in dem Sölder Lokal aufgehalten haben. Dazu habe auch die Bezirkshauptmannschaft Imst die Polizei damit beauftragt, Erhebungen bei mehreren Gastgewerbebetrieben in Sölden vorzunehmen. Ein erster Bericht sei bei der BH und der Staatsanwaltschaft bereits eingetroffen. Der Abschlussbericht fehle aber noch.

Während die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft noch im Gange sind, hat die TT den Lokalbesitzer telefonisch erreicht. Dieser zeigt sich geknickt und einsichtig. „Wir hatten zwar die nötigen Quadratmeter sowie die vorgeschriebenen Sitzplätze vorzuweisen“, beteuert er, sich an die Corona-Auflagen gehalten zu haben: „Doch bei einem Live Act ist das Publikum nicht mehr zu halten.“

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Bürgermeister Ernst Schöpf ist alles andere als begeistert.
© Böhm

Der Szenelokal-Betreiber kommt zur Einsicht: „Das Beispiel zeigt, dass so etwas nicht geht. Das ist sehr schade für Tirol und für Sölden.“

Der Gastronom zieht für sich und alle seine Betriebe die Konsequenzen: „Wir verzichten ab sofort und die kommende Wintersaison auf sämtliche Live Acts. Es wird kein Entertainment, Konzert oder DJs bei uns geben. Wir werden uns rein auf Hintergrundmusik beschränken.“

Man sei sich der Argusaugen bewusst, die auf Sölden ruhen, allein schon aufgrund der zahlreichen internationalen Gäste, so Schöpf: „Man wird auch einmal eine Saison ohne Après-Ski und Diskothek auskommen müssen, zumal dies bei vielen Betreibern nicht das einzige Standbein ist. Falls es doch zu einer wirtschaftlichen Existenzbedrohung käme, muss die Politik über finanzielle Unterstützungen diskutieren.“


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