Prozess um erfundenes Video: Anklägerin konterte Polizisten

Das Landesgericht in Innsbruck.
© TT/Thomas Böhm

Innsbruck – Zu einer ganz und gar ungewöhnlichen Konstellation kam es gestern bei einem Prozess rund um Amtsmissbrauch am Landesgericht. Angeklagt war ein Polizist, für den der letzte November einen schwarzen Tag bereitgehalten hatte. War er damals doch mit einer Raubanzeige konfrontiert, die für ihn wohl von Anfang an nicht ganz stimmig war. Eine Nachschau im Handy des Anzeigers hatte dann ergeben, dass dieser just zur angeblichen Tatzeit auf Pokémon-Jagd gewesen war und seine Erfolge via WhatsApp abgefeiert hatte. Darauf soll der Beamte dann gefragt haben, ob die Anzeige bei Vorliegen eines Straßenvideos denn auch noch gleichlautend wäre. Dazu habe der Beamte nach Aussagen des Anzeigers auch noch mit der Inhaftierung gedroht, falls dieser seine Falschaussagen aufrechterhalten würde.

Diesen Aussagen widersprach der Beamte gestern vor Richter Georg Putz vehement. Niemals habe er behauptet, dass ein Video zum Tatort vorliege, sondern nur gefragt, was denn wäre, wenn’s eins gäbe. Ein erwähnter USB-Stick habe zu einem ganz anderen Akt gehört. Dazu habe ihn später allein der überführte Anzeiger immer wieder gefragt, ob er nun denn ins Gefängnis müsse. Dorthin hatte der Anzeiger nämlich erst den vermeintlichen Räuber gebracht. Verteidiger Hermann Rieder: „Mein Mandant hat einzig Spürsinn bewiesen und als Beamter seine Pflicht getan!“ Die einstige Journal-Staatsanwältin widersprach dem Polizisten gestern als Zeugin mehrfach. Auch sie war von einem erfundenen Video ausgegangen. Da der Anzeiger nicht gemeldet ist, wurde vertagt. (fell)

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