Umziehen und Pendeln für den Job – was ist zumutbar?

Die Wirtschaftskammer will über Zumutbarkeitsbestimmungen und über degressives Arbeitslosengeld ab dem Jahr 2021 diskutieren.

„Da geht mehr beim Pendeln. Eine Fahrtdauer von eineinhalb Stunden zur Arbeit ist international üblich.“ – Harald Mahrer (Wirtschaftskammerpräsident)
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Wien – Mehr Mobilität und mehr Qualifizierung – das braucht es laut Wirtschaftskammer (WKO), um mehr Dynamik in den durch die Pandemie krisengebeutelten Arbeitsmarkt zu bringen.

Die verstärkte überregional­e Vermittlung von Arbeitskräften ist nicht neu: Bereits jetzt müssen Arbeitssuchende Stellen in anderen Bundesländern annehmen, wenn es einen adäquaten Wohnraum gibt und keine zwingenden Betreuungspflichten vorhanden sind. Nun soll das Arbeitsmarktservice (AMS) einen Schwerpunkt auf die Vermittlung von Arbeitskräften – etwa von Osten nach Westen, wo es mehr offene Stellen und freie Lehrplätze gibt – legen. Das fordern WK-Präsident Harald Mahrer und sein Generalsekretär Karlheinz Kopf. Wer sich für einen Umzug für den Job entscheidet, könne eine Mietbeihilfe oder einen Umzugsbonus erhalten, so Kopf: „Eine Mobilitätsprämie ist denkbar.“

Gleichzeitig fordern die Wirtschaftsvertreter Verschärfungen für Arbeitslose. Wer auf Jobsuche ist, soll nur sechs Monate lang eine geringfügige Beschäftigung neben dem Erhalt des Arbeitslosengeldes ausüben dürfen, auch soll über die Zumutbarkeitsbestimmungen „tabulos diskutiert“ werden, so Mahrer. Eine Fahrtdauer von eineinhalb Stunden zur Arbeit sei „international üblich“, meinte der Kammerpräsident: „Da geht mehr beim Pendeln.“ Und schließlich steht die degressive Staffelung des Arbeitslosengeldes – je länger es bezogen wird, desto weniger wird ausbezahlt – im Forderungskatalog der Kammer. Derzeit, mit 409.000 Arbeitslosen und 400.000 in Kurzarbeit, sei dafür aber nicht der richtige Zeitpunkt, betont Kopf und verweist auf nächstes Jahr.

Die WKO-Vertreter fordern eine Erleichterung bei der Bildungsteilzeit, um sie für KMU interessanter zu machen, auch im Anschluss an die Kurzarbeit. Außerdem solle die Bildungszeit Plus genutzt werden, bei der Weiterbildung durch die Länder unterstützt wird. (ritz)

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