Rasierklinge im Mund war Waffe: Zwei Jahre Haft

Zwei Jahre Haft ergingen erneut über einen mehrfach verurteilten Marokkaner. Dieser befindet sich aber eigentlich schon in Schubhaft.

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Mit dem Aufenthalt von Mohammed in Österreich gingen bislang acht Vorstrafen einher. Zuletzt hatten Gerichte in Klagenfurt über den 38-jährigen Marokkaner Haftstrafen von bis zu zehn Monaten verhängt. Nicht mitverhandelt wurde dabei ein Übergriff in Innsbruck, der nun am Landesgericht als schwerer Raub angeklagt war. Damals hatte sich der 38-Jährige von einem Bekannten ein Handy „geborgt“ und wollte es nicht mehr zurückgeben. Als der Besitzer darauf in einem Wettlokal beim Hauptbahnhof sein Telefon lautstark zurückreklamierte, zog der Marokkaner eine präparierte Rasierklinge aus dem Mund und fügte dem Kontrahenten stark blutende Schnittwunden am Rücken und an der rechten Hand zu.

Verteidiger Felix Hell sah vor Richter Bernhard Rüßkamp dennoch kein Raubgeschehen, da Mandant Mohammed beschwor, dass das Handy zuvor schon für einen vereinbarten Kaufpreis von 30 Euro in seinen Besitz übergegangen wäre. Schwer zu widerlegen, zumal auch nach dem Opfer selbst seit März international gesucht wird – bislang ohne Erfolg. Staatsanwalt Hannes Wandl hielt aufgrund der Tatausführung dennoch dagegen: „Die Klingen stehen extraweit hervor. Eine derartig präparierte Klinge ist nicht zum Rasieren gedacht! Zumal der Tatablauf vom Mund hin zum Opfer wohl klar auf einen Raub schließen lässt!“

Im Zweifel blieb es – ohne Opfer – dennoch bei Nötigung und schwerer Körperverletzung. „Offenkundig war letztens nur der Wille des Opfers, das Handy wiederzubekommen. Und dieser Wille sollte durch die Schnitte wohl gebrochen werden“, urteilte Richter Rüßkamp. Zu zehn Monaten und sechs Wochen (Klagenfurt) ergingen rechtskräftig zwei Jahre Zusatzstrafe.

Die Frage für den Verurteilten und die Justiz: Wo wird die Sanktion nun allenfalls zu verbüßen sein? Da sich der Verurteilte bereits nach negativem Asylverfahren in Schubhaft befindet, gibt es mehrere Möglichkeiten. Bei noch nicht weit fortgeschrittenem Verfahren (dem 38-Jährigen fehlt noch das Heimreisezertifikat) ist auch noch Haftantritt in Österreich vorstellbar. Steht der Marokkaner jedoch bereits unmittelbar vor der Abschiebung, ist nun mit den Heimat-Behörden mittels Vollstreckungsersuchen das weitere Prozedere zur Verbüßung der Strafe in Marokko zu klären. Hier könnten sich aufgrund Gesetzeslage, dortiger Haftbedingungen und bilateraler Abkommen noch einige Fragen juristischer Natur stellen. Bis zu deren Klärung wird der nunmehr neunfach Verurteilte wohl jedenfalls weiter in Österreich bleiben.

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