Weiterer weißrussischer Oppositionspolitiker festgenommen

Das Regime in Weißrussland verschärft ihren Kurs gegenüber Oppositionspolitikern. Zwei Tage nach der Festnahmen von Maria Kolesnikowa wurde der Anwalt Maxim Snak am Mittwoch in Gewahrsam genommen. Ermittelt werde in beiden Fällen wegen des Versuches, „die sozio-politische und wirtschaftliche Lage des Landes zu destabilisieren und die nationale Sicherheit zu untergraben“, teilten die Ermittler mit.

Zur Festnahme Kolesnikowas in der Nacht auf Dienstag an der weißrussisch-ukrainischen Grenze gibt es weiterhin unterschiedliche Darstellungen: Nach Angaben von Augenzeugen sollte die 38-Jährige gegen ihren Willen in die Ukraine abgeschoben werden. Die Regierungsgegnerin habe sich widersetzt und sei daraufhin festgenommen worden. Dagegen erklärte der Grenzschutz von Weißrussland, die Oppositionelle sei bei dem Versuch festgenommen worden, die Grenze zur Ukraine zu überqueren.

Snak wiederum war nach Angaben seiner Unterstützer am Mittwoch von maskierten Männern abgeführt worden. Augenzeugen berichteten, der 39-Jährige sei in der Nähe seines Büros von mehreren Männern in Zivil und mit Masken abgeführt worden. Die Unterstützer veröffentlichten auch ein Foto der Festnahme.

„Ich fordere die sofortige Freilassung von Maxim Snak, der verhaftet oder richtiger ‚entführt‘ wurde“, teilte Swetlana Tichanowskaja mit, die gegen den autoritären Langzeit-Staatschef Lukaschenko bei der Präsidentenwahl Anfang August angetreten war und mittlerweile in das EU-Land Litauen geflohen ist. Die weißrussische Oppositionelle hält Neuwahlen für den einzigen Ausweg aus der derzeitigen Situation in ihrem Land.

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„Nur eine neue Wahl kann unser Land retten“, sagte Tichanowskaja am Mittwoch in Warschau nach einem Treffen mit Polens Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki. „In den Augen des Volkes ist Lukaschenko nicht mehr länger der legitime Präsident.“ Die Oppositionsbewegung stehe in der Mitte ihres Kampfes.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August demonstrieren die Menschen in Weißrussland gegen den seit 26 Jahren autoritär regierenden Staatschef Lukaschenko. Sie werfen der Regierung massiven Betrug bei der Wahl vor, die Lukaschenko nach offiziellen Angaben mit 80 Prozent der Stimmen gewonnen haben soll. Die weißrussischen Sicherheitsbehörden gehen immer wieder massiv gegen die Demonstranten vor. Erst am Sonntag waren bei Protesten mehr als 600 Menschen festgenommen worden.


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