Schummeln beim Drogentest: Geldstrafe wegen Tee aus Penis-Attrappe

Mit Tee statt Urin wollte ein Tiroler beim Drogentest tricksen. Er musste die Fußfessel abgeben, ins Gefängnis und 2250 € zahlen.

Statt Urin sollte Tee auf Drogen getestet werden.
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Innsbruck – Der Fall, der zwei Jahre lang am Innsbrucker Bezirksgericht verhandelt wurde, ist ähnlich skurril wie jene Gerichtprozesse, die auf Privatsendern am Nachmittag verhandelt werden. Es geht im Verfahren um „den Versuch der Beweismittelfälschung“, begangen durch eine mit Tee gefüllte Penis-Attrappe. Doch der Reihe nach: Der Träger einer Fußfessel musste sich im Juni 2018 in der Justizanstalt Innsbruck zu einem – regelmäßig als Auflage vorgeschriebenen – Harntest einfinden. Da er Kokain konsumiert hatte, griff er zum Plastikpenis, der im vorderen Bereich über eine Befestigungsvorrichtung durch Klettverschlüsse und einen Vorratsbeutel verfügte.

In diesen füllte er Tee, den er zuvor durch Erwärmen etwa auf Körpertemperatur gebracht hatte. So sollte ein negativer Test erzielt werden. Obwohl der Angeklagte mit einem beachtlichen Unterbau den „Ziegelstadel“ betrat, flog er nicht auf. Da die Attrappe kein Metall enthält, schlug der Detektor nicht an. Bei der Urinabgabe war der Angeklagte aber rasch enttarnt. Aufgrund des dann nachgewiesenen Drogenkonsums verstieß der zu einem Jahr Verurteilte gegen seine Auflagen. Er verlor so die Fußfessel und musste den Rest der Strafe abssitzen – eine klare Sache. Schwieriger war die Klärung der Frage, ob der Angeklagte mit der Verwendung der Attrappe das Vergehen der „versuchten Beweismittelfälschung“ begangen hat. Obwohl die Erst­richterin das Verfahren einstellen wollte – das Vorgehen des Angeklagten sei „derart plump“, dass eine Beweismittelfälschung nicht vorliege –, folgte ein langer Prozess. Der Angeklagte hatte versichert, er sei ertappt worden, da der Tee gedampft habe. Der Gerichtsgutachter gab indes an, bei der Testung wäre der Tee problemlos als Urin durchgegangen. In der Urteilsbegründung – der Tiroler muss 2250 Euro zahlen – wird auf den beträchtlichen Aufwand zur Täuschung verwiesen.

Die Posse hat Konsequenzen: Die Eingangskontrollen wurden verschärft, die Beschaffenheit der abgegebenen Flüssigkeit analysiert. (pla)


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