Sicherheit im Straßenverkehr ist keine Frage des Alters

Verkehrsexperten sprechen sich gegen eine Stigmatisierung von älteren Lenkerinnen und Lenkern im Straßenverkehr aus.

Symbolfoto.
© iStock

Innsbruck – Zwei schwere Unfälle mit älteren Personen am Steuer (75 und 86) haben sich vergangene Woche in Tirol ereignet. Und meist bleiben nach derartigen Unfällen Rufe nach verpflichtenden Tests zur Verkehrstüchtigkeit von Senioren nicht aus. Doch ihr Nutzen ist bei Experten nicht unumstritten.

So steigt auch ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger bei dem Thema auf die Bremse: „Entscheidend für eine unfallfreie Teilnahme am Straßenverkehr ist nicht das Lebensalter oder ein Testergebnis, sondern neben dem aktuellen guten Gesundheitszustand des Lenkers auch seine oder ihre Fähigkeit, Risiken im Straßenverkehr richtig einzuschätzen, um diese zu vermeiden.“ Das Alter alleine sage noch nichts über eine Fahrtauglichkeit aus. Auch junge Verkehrsteilnehmer könnten mit oder ohne Vorerkrankungen, im Stresszustand, unter Alkohol- oder Drogeneinfluss, mangels Tempo- und Abstandsanpassung oder durch Ablenkung starke Probleme und Beeinträchtigungen beim Lenken haben, betont Seidenberger.

In der aktuellen Personenschaden-Unfallstatistik liege die Altersgruppe 15 bis 24 mit einem 24-Prozent-Anteil deutlich auf Platz eins vor den 25- bis 34-Jährigen (17 Prozent) und den 45- bis 54-Jährigen (15 Prozent). Die Altersgruppe 75 bis 84 liegt bei fünf Prozent, die der 85-plus bei 0,8 Prozent. Erfahrungen in anderen Ländern hätten gezeigt, dass „Senioren-Testverfahren“ auch negative Auswirkungen haben können. So wurde in Dänemark nach Einführung eines verpflichtenden „Seniorentests“ kein Rückgang bei den Pkw-Unfallverursachern verzeichnet, dafür aber ein Anstieg bei den tödlichen Fahrradunfällen mit Senioren.

Was den Anteil der Senioren als Verursacher bei Unfällen angeht, verweist der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) allerdings auf eine leichte Häufung bei den Senioren: 63,5 Prozent der 80- bis 84-Jährigen, die einen Verkehrsunfall hatten, haben diesen auch verursacht. In der Altersgruppe der über 84-Jährigen waren es 55,7 Prozent, in der Gruppe der 75- bis 79-Jährigen 52,9 Prozent. Zum Vergleich: Bei den 20- bis 24-Jährigen waren 54,5 Prozent die Verursacher, bei den 25- bis 34-Jährigen 47 Prozent. Der VCÖ spricht sich dafür aus, die Verkehrsinfrastruktur und den öffentlichen Verkehr unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Senioren auszubauen.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

Senioren-Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf (VP) warnt davor, in der Debatte einzelne Gruppen gegeneinander auszuspielen. „Senioren verfügen meist über eine langjährige Lenkererfahrung und agieren im Straßenverkehr eher besonnen als radikal“, betont sie. In Tirol habe man mit günstigen Seniorentickets zudem wichtige Akzente gesetzt, älteren Menschen den Umstieg auf die Öffis zu erleichtern. (np)


Kommentieren


Schlagworte