"Der schönste Platz auf Erden": Vom Leben in der Provinz, ganz ungeschminkt

Pinkafeld erlebte bei der Präsidentenwahl 2016 einen Medienwirbel. Filmerin Elke Groen rückt manch verzerrte Perspektive wieder zurecht.

Warten auf die nächste Sensation. Ein Großaufgebot auch internationaler Medien richtet 2016 die Kameras auf Pinkafeld.
© Filmladen

Innsbruck – Pinkafeld ist eine Kleinstadt im Südburgenland. Keine 6000 Einwohner, eine von ihnen beschreibt ihre Gemeinde in Elke Groens Kino-Doku „Der schönste Platz auf Erden“ wenig schmeichelhaft so: „Hier ist nicht viel los außer Durchreiseverkehr.“

2016 rückte der unspektakuläre Ort an der Peripherie quasi über Nacht in den Fokus. Pinkafeld ist nämlich auch der Wohnort von Norbert Hofer, heute FPÖ-Bundesobmann, damals freiheitlicher Gegenkandidat des vormaligen Grünenchefs Alexander Van der Bellen bei der Präsidentschaftswahl.

Dieser Urnengang benötigt­e drei Durchgänge, nachdem das Höchstgericht Stichwahl Nummer 1 aufgrund von formalen Verstößen aufgehoben hatte. Am 4. Dezember 2016 setzte sich Van der Bellen bei der Stichwahl-Wiederholung zum zweiten Mal und final gegen Hofer durch.

Pinkafeld tanzte dabei kräftig aus der Reihe: Hier erreichte Hofer mehr als 70 Prozent. Aus pragmatischen Gründen, wie in einem örtlichen Wirtshaus zu erfahren ist: „Wir wählen ihn, weil er einer von uns ist, ganz egal, bei welcher Partei er ist.“ Sogar der langjährige SPÖ-Bürgermeister Pinkafelds soll bei Hofer sein Kreuzerl gemacht haben. So jedenfalls geht die Fama.

📽️ Trailer | Der schönste Platz auf Erden

Wie auch immer. Der groß­e Zuspruch Hofers bescherte Pinkafeld einen medialen Großauftrieb aus vieler Herren Länder. Ein vermeintlich brauner Fleck wurde in Augenschein genommen.

Der mediale Tross war bald wieder weg. Doku-Filmerin Groen kam hingegen über mehrere Jahre immer wieder zurück – und mit den Pinka­feldern ins Gespräch. Es entstand das ungeschminkte Porträt einer Landgemeinde. Als solche steht Pinkafeld stellvertretend für viele vergleichbare Kommunen.

So entwickelt sich die Asylthematik zum lokalpolitischen Spaltpilz. Eine syrische Flüchtlingsfamilie erlebt große Hilfsbereitschaft auf der einen Seite, massive Vorurteile auf der anderen. Die örtliche Landwirtschaft und die Jugend kämpfen mit schwierigen Jobperspektiven.

Zum Zweck einer halbwegs unbeschwerten Auszeit wird die Dorfdisco angesteuer­t. Und die heißt immerhin „Hallelujah“. (mark)


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