Saab hofft 20 Jahre danach auf zweite Chance

Gripen soll Eurofighter ausstechen: Schwedischer Rüstungskonzern wird in Österreich wieder aktiv.

Gripen-Jet bei der Airpower-Flugshow 2019 in Zeltweg. Der schwedische Konzern würde gerne wieder fix in Österreich landen.
© APA/Scheriau

Von Wolfgang Sablatnig

Wien – Die Manager von Saab haben ihre Hausaufgaben gemacht. Wenn die Vertreter des schwedischen Rüstungs- und Technologiekonzerns ihr Angebot für Gripen-Kampfjets präsentieren, wissen sie genau, welche Antworten in Österreich gerne gehört werden: Der Betrieb wäre günstiger als mit dem Eurofighter, auch weil der Gripen nur ein Triebwerk hat und nicht zwei. Die Umstellungskosten würden sich in Grenzen halten, weil am Militärflugplatz Zeltweg in der Steiermark viel Infrastruktur übernommen werden könnt­e. Ein allfälliger Deal würde zwischen den Regierungen abgeschlossen.

Saab eröffnet in diesen Wochen ein kleines Büro in Wien. „Wir sind zurück in Österreich“, sagt dessen Leiter Per Alriksson. Er war Militärpilot und flog sowohl den Draken, der von 1986 bis 2005 auch in Österreich im Einsatz war, als auch den Gripen.

Saab setzt darauf, dass sich Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) und das Bundesheer tatsächlich vom Eurofighter verabschieden – wie es Tanner als Ziel formuliert. Zuletzt teilte die Ministerin mit, dass sie ein Angebot aus Indonesien prüfen lässt, die österreichischen Maschinen gebraucht zu übernehmen.

Noch immer nährt die Ministerin auch die Hoffnung, dass nach vielen Jahren doch ein Ausstieg aus dem Eurofighter-Vertrag möglich sein könnte, wenn sich die Korruptionsvorwürfe erhärten lassen.

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Für den Fall eines Abschieds vom Eurofighter wollen die Schweden das Geschäft mit dem Bundesheer nicht noch einmal verpassen. Beim ersten Versuch, 2001, waren sie dem Eurofighter unterlegen.

Zuvor hatten die rot-weiß-roten Militärs enge Kontakte mit Saab. Die Piloten flogen die „Fliegende Tonne“, später den Draken und – bis Ende dieses Jahres – die Saab 105.

Zu Alrikssons Job gehören auch Kontakte zu österreichischen Technologieunternehmen: „Es geht nicht um Offset. Es geht um industrielle Kooperation“, sagt er. Alriksson weiß, dass klassische Gegengeschäfte, Offset also, in Österreich seit dem Eurofighter-Deal unter Korruptionsverdacht stehen. Auch EU-Regeln sprechen dagegen. Für die Kooperation habe er aber einige Firmen im Auge – Namen nennt er noch nicht.

Mit konkreten Zahlen und Preisen hält sich der Saab-Mann ebenso zurück. Er spricht nur von der Möglichkeit flexible­r Finanzierungs­modelle. Für diese wäre aber nicht Saab zuständig: Offizieller Geschäftspartner wäre die schwedische Rüstungsverwaltung FMV und damit die Regierung. Ganz wie man es in Österreich gerne hört.


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