Würdige Erinnerung an österreichische „Peacekeeper“ in Innsbruck

Nun gibt es erstmals eine öffentliche Gedenkstätte für die 52 Soldaten und zwei Polizisten, die von Auslandsmissionen nicht mehr zurückkehrten.

Höhepunkt des großen Festakts am Waldfriedhof Tummelplatz war die Kranzniederlegung vor dem neuen Gedenkkreuz für österreichische Soldaten, die bei Auslandsmissionen gefallen und verstorben sind.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Seit 1960 beteiligt sich Österreich an internationalen friedenserhaltenden Einsätzen. Rund 100.000 österreichische Soldaten, Polizisten und zivile Experten agierten in diesen 60 Jahren an verschiedensten Schauplätzen in aller Welt. Was bisher jedoch fehlte, war eine öffentliche Gedenkstätte für die 52 Soldaten und zwei Polizisten, die von diesen Auslandsmissionen nicht mehr zurückkehrten.

Nun gibt es einen solchen würdigen Erinnerungsort: Die Vereinigung Österreichischer Peacekeeper (VÖP) hat, auf Initiative von Vizeleutnant Cattani Bruno Toaba aus Absam und in Kooperation mit dem Tummelplatz-Erhaltungsverein, ein Gedenkkreuz errichtet. Dieses wurde am Freitag am Tummelplatz hoch über Amras vor zahlreichen Repräsentanten aus Militär, Politik und Tiroler Traditionsvereinen feierlich enthüllt und von Militärdekan Stefan Gugerel geweiht.

Brigadier Nikolaus Egger, Tiroler Landesleiter der Vereinigung Österreichischer Peacekeeper, sprach in seinen Grußworten von einem "besonderen Tag" und einer Würdigung für Soldaten, die für den Frieden ihr Leben lassen mussten. An über 100 friedenerhaltenden und humanitären Einsätzen habe sich Österreich bislang beteiligt, erklärte VÖP-Präsident General i. R. Günter Höfler. Dabei hätten die heimischen Soldaten großes Engagment und Know-how, "Improvisationstalent" und einen "besonnenen Umgang mit anderen Kulturen" bewiesen. Das neue Gedenkkreuz sei „beispielgebend“, Höfler hofft nun auf ähnliche Gedenkstätten in anderen Landeshauptstädten und in Wien. Sein großes Lob für die Bemühungen von Initiator Cattani Bruno Toaba brachte er auch im internationalen Militärjargon zum Ausdruck: „An important mission accomplished, very well done!"

Bildergalerie: Neues Gedenkkreuz am Soldatenfriedhof Tummelplatz

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Günter Höfler, Präsident der VÖP Vereinigung Österreichischer Peacekeeper.

© Thomas Böhm

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„Müssen unsere Männer im Kongo sterben?“

Österreichs Teilnahme an friedensunterstützenden Auslandseinsätzen habe 1960 im Kongo begonnen, führte Militärhistoriker Erwin A. Schmidl aus. Damals habe es viele kritische Stimmen gegeben - nach dem Motto: „Müssen unsere Männer im Kongo sterben?“ - und generell Skepsis gegenüber den Vereinten Nationen. Das erste österreichische Sanitätskontingent im Kongo wurde übrigens bereits kurz nach der Ankunft gefangengenommen – als vermeintliche „Belgier“ – und musste von einem nigerianischen UN-Kontingent befreit werden. 1964 startete der nächste UN-Einsatz in Zypern. Anfangs hätten die "Peacekeeper" im Bundesheer eher als Exoten gegolten, so Schmidl, doch das "langsame Hineinwachsen" habe sich bewährt.

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Die Teilnahme an UN-Missionen sei bald zu einem wichtigen Teil der österreichischen Außenpolitik geworden, im Rahmen der vom späteren Bundeskanzler Bruno Kreisky schon als Staatssekretär und Außenminister geprägten „aktiven Neutralitätspolitik“, erklärte der Experte. Durch die Teilnahme an den Missionen habe man u. a. auch Österreichs Position in der Südtirolfrage international stärken wollen. Bis heute sei das "Bemühen, international zu agieren und präsent zu sein", ein Kennzeichen der österreichischen Außenpolitik - und durchaus eine "Erfolgsgeschichte".

"Menschen, die tatsächlich ihr Leben aufs Spiel setzen"

Fürs Peacekeeping werde meist „mit schönen großen Plakate mit freundlich lächelenden Soldaten“ geworben, meinte Militärdekan Gugerel. Oft ungesagt bleibe, dass hier "Menschen tatsächlich ihr Leben aufs Spiel setzen", sechs bis zwölf Monate ihre Familien nicht sehen können, "ein Kreuz für andere auf sich nehmen". Nicht umsonst lautet die Inschrift am neuen Erinnerungsort: „Im Gedenken an die Toten im Dienste des Friedens“.

Höhepunkt des Festakts am Waldfriedhof Tummelplatz waren Kranzniederlegungen beim neuen Gedenkkreuz sowie beim Grab des Unbekannten Soldaten. Als Kommandoführender beim Festakt fungierte Vizeleutnant Othmar Wohlkönig, Präsident der Österreichischen Unteroffiziersgesellschaft. Neben einer Ehrenformation der Tiroler Kaiserjäger nahmen Abordnungen der Kaiserschützen und der Schützenkompanie Wilten daran teil, ein Bläserensemble der Militärmusik Tirol stimmte neben Bundes- und Landeshymne auch die "Peacekeeper-Fanfare" an. (md)


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