Schienen-Offensive im Dreiländereck Italien, Schweiz und Österreich

Tirol, Südtirol, Graubünden und die Lombardei starten mit 1. November eine gemeinsame Expertengruppe, um den Ausbau von Bahnverbindungen zu prüfen.

LH Günther Platter, LHStv. Ingrid Felipe und LH Arno Kompatscher (v. l.) legten ein Bekenntnis zum Schienennetz-Ausbau im Dreiländereck Italien-Schweiz-Österreich ab und unterzeichneten dazu eine Erklärung.
© Wenzel

Von Helmut Wenzel

Graun – „Vielleicht ist es ein Tag, der in die Geschichte eingeht. Vielleicht wird die nächste Generation feststellen, dass am 11. August 2020 der Startschuss zum Ausbau des Schienennetzes im Dreiländereck gefallen ist.“ Diese Ansage in Graun kam gestern Freitag von Südtirols LH Arno Kompatscher. Sein Regierungskollege LH Günther Platter sprach von einer „besonderen Premiere“ am Reschensee. Aber auch Regionspräsident Attilio Fontana aus der Lombardei sowie Mario Cavigelli, Regierungsvizepräsident im Schweizer Kanton Graubünden, fanden lobende Worte zu dem Treffen, das in der Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung gipfelte. Begleitet wurden die Regierungschefs von ihren Verkehrsreferenten, für Tirol war LHStv. Ingrid Felipe mit dabei.

Das gemeinsame Ziel liege im Ausbau der überregionalen Bahnverbindungen bzw. in der Entwicklung eines Eisenbahnkreuzes im Dreiländereck, auch Terra-Raetica-Region genannt. Platter nannte es „Schienen-Alpen-Kreuz“. „Es ist eine große Ansage. Wir brauchen ein Gesamtkonzept mit deutlichen Verbesserungen und Anbindungen an das internationale Bahnnetz.“ Auch das Projekt Fernpassbahn soll laut Platter in das Gesamtkonzept aufgenommen werden.+

Machbare Projekte inklusive Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegen

Im November werde eine technische Expertengruppe ihre Arbeit aufnehmen, wie Kompatscher hervorhob. Jede der vier Regionen soll einen Ingenieur stellen. Die Gruppe habe die Aufgabe, bisherige Studien, Pläne und nicht realisierte Projekte (Beispiel Reschenbahn) zu prüfen. In etwa einem Jahr sollen der Politik machbare Projekte inklusive Kosten-Nutzen-Analyse vorgelegt werden.“ Auf politische Vorgaben verzichte man, so Kompatscher.

Endbahnhöfe im Dreiländereck befinden sich aktuell in Mals (Vinschger Bahn) sowie in Scuol (Rhätische Bahn). Der Bahnknoten Land­eck müsste seine Kapazitäten ausbauen, sollten dort tatsächlich wieder Gleise zur Anbindung in Richtung Süden gelegt werden. Zweimal gab es den Versuch, die Reschenbahn zu bauen, Relikte der Trasse sind bis heute sichtbar. Zweimal stoppten Kriege die Bauarbeiten. Auch zu einer möglichen Verbindung Engadin-Vinschgau gibt es längst Studien.

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„Mobilität darf nicht an den Landesgrenzen enden“, plädierte Mario Cavigelli. Die Initiative zum überregionalen Bahnausbau könne er aus Schweizer Sicht nur begrüßen. Dort habe die Bahn einen hohen Stellenwert, wenn es um nachhaltige Verkehrslösungen geht.

Seine Botschaft an die zahlreichen Reschenbahnfans, die wiederholt mit Initiativen aufhorchen lassen, fasst LH Platter so zusammen: „Ich danke allen, die sich engagieren und an das Projekt glauben. Von der Politik wird es mehr Rückenwind und Unterstützung geben.“


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