Ehrwalder bezwang Zugspitze heuer 20-mal im Laufschritt

Simon Scheiber ist Bergläufer aus Leidenschaft. Zum Jubiläum lief er heuer 20-mal auf die Zugspitze. Er tat dies stets morgens, vor der Arbeit.

Simon Scheiber schickte immer Selfies, um die Daheimgebliebenen zu beruhigen.
© Scheiber

Von Simone Tschol

Ehrwald – Anfang des Jahres hatte Simon Scheiber eine Idee: Er könnte ja im Jahr 2020, zum 200-Jahr-Jubiläum der Erstbesteigung der Zugspitze, 20-mal von Ehrwald aus auf den 2962 Meter hohen Gipfel laufen. Und er meinte damit wirklich laufen – nicht wandern. „Ich wollte da kein großes Ding daraus machen. Es hätte ja auch sein können, dass ich es nicht schaffe“, sagt Scheiber.

Diese Bescheidenheit kann er ebenso hinter sich lassen, wie er es den Sommer über mit den unglaublichen 40.000 Höhenmetern und rund 300 Streckenkilometern getan hat, die er während der 20 Bergläufe bezwungen hat.

Manchmal ging es nur noch mit Spikes weiter.
© Scheiber

Zweimal, manchmal sogar dreimal die Woche meisterte er den gewaltigen Kraftakt. Mal wurden die 2000 Höhenmeter über die 16 Kilometer lange Strecke übers „Gatterl“ bezwungen, mal die technisch anspruchsvollere, dafür nur vier Kilometer lange Direttissima durch den so genannten „Stopselzieher“ gewählt.

Und dabei trotzte der 33-Jährige nicht nur Wind und Wetter, Eis und Schnee, sondern jedes Mal auch seinem inneren Schweinehund. Denn oben angekommen, erwischte er meist die erste Gondel, fuhr zurück ins Tal, um dort den Aufgaben des Alltags und seiner Arbeit als Gärtner und Florist im eigenen Blumengeschäft in Ehrwald nachgehen zu können. „Berglauf ist eine Art Medizin für mich. Da muss ich mich auf die Atmung, die Schritte und die Dosis des Tempos konzentrieren. Wenn das alles passt, ist es ein harmonischer Fluss. Ich habe viel trainiert, damit ich in kurzer Zeit was machen kann. Denn abends, nach der Arbeit, fehlt oft die Zeit“, beschreibt Scheiber seine Begeisterung.

"Ich habe aufgehört zu zählen"

Unterwegs sorgte er nicht selten auch für verdutzte Gesichter. Wanderer, die verschlafen auf der Wiener Neustätter oder der Knorrhütte ihren Augen nicht trauten. Da lief einer morgens um 7 Uhr an ihnen vorbei, während sie noch nicht einmal zum Kaffee gegriffen hatten, aber dachten, selbst früh dran zu sein.

Neben Überwindung und Ausdauer braucht es für den Berglauf, dem Scheiber seit 2012 frönt, auch gutes Material. „Wie viel Paar Schuhe ich so pro Sommer brauche, weiß ich gar nicht. Ich habe aufgehört zu zählen. Aber drei bis vier sind es sicher“, lacht Scheiber, der sich schwer damit tut, sich von altem Schuhwerk zu trennen: „Mit jedem Paar sind auch so viele Erinnerungen verbunden.“

Nicht selten musste Scheiber im hochalpinen Gelände Spikes über die Laufschuhe ziehen – ein unwirkliches Bild. „Das ist nicht zu empfehlen. Da müssen die Verhältnisse passen und es setzt viel Erfahrung voraus“, so Scheiber. Sein Fazit nach dem intensiven Sommer: „Der Berglauf tut mir einfach gut.“


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