Raum für die Gurgl, Natur und Erholung geschaffen

Die Renaturierung der Gurgl zwischen Nassereith und Tarrenz konnte früher als erwartet präsentiert werden. 1,8 Millionen wurden investiert.

Die beiden Landeshauptmannstellvertreter Ingrid Felipe und Josef Geisler zeigten sich am Donnerstag mehr als erfreut über den raschen Baufortschritt im Gurgltal zwischen Nassereith und Tarrenz. Immerhin eineinhalb Jahre früher als geplant konnte das Projekt nun vorgestellt werden.
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Von Alexander Paschinger

Nassereith, Tarrenz – Bestens gelaunt stellten am Donnerstag die beiden LHStv. Ingrid Felipe und Josef Geisler gemeinsam mit den Bürgermeistern von Nassereith und Tarrenz sowie Vertretern diverser involvierter Ämter die renaturierte Gurgl vor. Eineinhalb Jahre früher als geplant darf das 1,8 Millionen Euro teure Naturschutzprojekt, das zugleich einen hohen Erholungswert für Einheimische wie Gäste beinhaltet, abgeschlossen und offiziell präsentiert werden. Gemeinsam mit dem Radweg Via Claudia wurden 3,5 Millionen Euro investiert (60 Prozent Land, 40 Prozent EU).

Gerne verweist Walter Michaeler von der Abteilung Umweltschutz des Landes auf die große Schautafel am Ufer. Dort ist rechts oben ein Ausschnitt aus dem „Josephinischen Kataster“ von 1789 abgebildet: „So hat die Gurgl damals ausgesehen“, ein kurviges Gewässer, teils ein Moorgebiet. Vor 120 Jahren, erklärt dazu der Tarrenzer Bürgermeister Rudolf Köll, wurde die Gurgl begradigt. Die Nutzfläche wurde damals vergrößert, ein Kanal als Bachbett sorgte für den raschen Abfluss. „Heute sind wir hier wieder wie vor 120 Jahren“, kommentiert Köll das neue, gut 1,1 Kilometer lange Bett der Gurgl.

2008 sei damals die Idee entstanden. Ein Ausflug des Bauernbundes ins Unterland führte auch zur Renaturierung der Großache. „Dann haben wir Verbündete gesucht“, erzählt der Tarrenzer Dorfchef. Nach einem ersten Lokalaugenschein war für die Experten des Landes klar, dass das Projekt schwer werden würde. Immerhin ging es um viele Grundeigentümer, die überzeugt und für das Projekt gewonnen werden mussten.

„Es hat einfach länger gebraucht, weil sich die Leute vorerst nichts vorstellen konnten“, erklärt auch der Nassereither Bürgermeister Herbert Kröll, der gut drei Monate damit beschäftigt war, die 18 Grundeigentümer auf seinem Gemeindegebiet zu gewinnen. Was nun vorliegt, sei aber ein gelungenes Projekt „und ich habe von den Leuten bisher nur Positives gehört“, so Kröll.

„Es ist beeindruckend, wenn man sieht, was hier seit einem Jahr passiert ist“, freut sich auch LHStv. Ingrid Felipe. Das Besondere an dem Projekt sei, dass es einerseits eine Renaturierung mit neuen Lebensräumen darstelle und andererseits ein Erholungsraum für den Menschen geschaffen wurde. Die Landesregierung habe für solche Projekte extra Geld zur Verfügung gestellt. Und es gebe auch andere Gewässer, wo solche Renaturierungen vorgenommen werden könnten.

LHStv. Josef Geisler spricht bei diesem Projekt von einem „Gesamtkunstwerk“. Hier gab es viele Erdbewegungen für das Naturschutzprojekt, das neben dem Schutz bedrohter Tiere wie etwa den Edelkrebs auch touristische Interessen verfolgt, immerhin führt der Radweg Via Claudia direkt daran vorbei. Naturschutz, so Geisler, sollte nicht ein Kampf gegen Windmühlen sein, sondern ein Miteinander. Dies meinte er vor allem in Hinblick auf die Überzeugungsarbeit und Verhandlungen mit den Grundeigentümern, die die Bürgermeister geleistet hatten.

Was eine mögliche Erweiterung des Projektes in Richtung Tarrenz betrifft, sind aber alle etwas zurückhaltender. Zwar hat die Gemeinde Tarrenz bereits einstimmig drei Hektar Fläche für ein solches Projekt in Aussicht gestellt, allerdings geht es um das Einverständnis der erforderlichen Grundeigentümer. „Wir hätten viele Mittel vorgesehen im nächsten Jahr“, meint LHStv. Felipe. Sie hofft auf den positiven Schwung, den dieser erste abgeschlossene Abschnitt für eine mögliche Fortsetzung bringen könnte.


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