Österreichweit 869 Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden

Die aktuellen Corona-Zahlen haben am Samstag neuerlich eine drastische Zunahme gezeigt: Laut Innen- und Gesundheitsministerium gab es nicht weniger als 869 Neuinfektionen, davon alleine 444 in Wien. Am Montag wird wegen des Anstiegs und zwecks Evaluierung der Ampel-Regionen die Corona-Kommission zu einer weiteren Sitzung zusammentreffen, sagte Kommissionsleiter Ulrich Herzog dem ORF-Radio Ö1.

Bereits Freitagabend hatte Herzog in einem ZiB2-Interview die Entwicklung als „besorgniserregend“ bezeichnet. „Wir haben die Entwicklung schon länger auf uns zukommen gesehen“, sagte Herzog. Der Durchschnitt der vergangenen drei Tage liege nun bei rund 700 Infektionen österreichweit. 50 Prozent sind in Wien zu verzeichnen, danach folgen Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich und die Steiermark. Daher könne man von einem „bundesweiten Trend“ sprechen, es seien nicht mehr „einzelne Regionen“ betroffen, so der Kommissionsleiter.

Derzeit seien von den vielen Ansteckungen in Wien vor allem junge Menschen betroffen. Hintergrund der Fälle sind Familien, private Feiern, gesellschaftliche Events wie etwa gemeinsames Fußballschauen oder Veranstaltungen bei der Freiwilligen Feuerwehr. In Alters- und Pflegeheime gebe es erfreulicherweise weniger Fälle, was zu einer Verringerung der Belagszahlen in den Spitälern führe.

„Grün heißt ja nicht, dass kein Risiko da ist“, betonte der Kommissionsleiter erneut. Denn im Großraum von Wien, im nördlichen Burgenland aber auch in Teilen von Vorarlberg geht es laut Herzog „schon in Richtung gelb“. Daher sollten diese Entwicklungen des epidemiologischen Risikos in Zukunft vereinfacht dargestellt werden. Auf die Frage, ob man sich dann nicht mehr so strikt an Landes- oder Bezirksgrenzen halten werde, sagte Herzog: „Das ist genau der Punkt.“

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Man werde sich nun auch die Städtemodelle genauer ansehen. Der Berufs- und der Bildungsverkehr müsse in das Ampel-System miteinbezogen werden. Wien etwa habe ein starkes Einpendeln aus der Umgebung und Linz aus Amstetten. Und die größte HTL Österreichs befinde sich südlich von Wien. „Und deshalb haben wir uns auch mit den Ländern verständigt, in den zukünftigen Schaltungen die Stadtregionen verstärkt zu berücksichtigen, um in die größere Fläche zu kommen“, erklärte Herzog.

Kritik an der Corona-Ampel sehe der Kommissionsleiter als positiv. „Das gehört auch dazu, wenn wir ein neues System etablieren. Mit jeder Kritik lernen wir auch und können auch nachbessern.“ Die Entscheidung der Bundesregierung zu einem ausgedehnten Mund-Nasen-Schutz und reduzierte Veranstaltungen seien wesentlich gewesen, so Herzog.

Gegenüber den 869 vom Samstag waren am Vortag 580 Neuinfektionen gemeldet worden, ein Wert, den nun die Bundeshauptstadt gemeinsam mit Niederösterreich (135) beinahe erreicht hat.

Bisher gab es 32.696 Erkrankte, 754 Personen sind bisher an den Folgen des Coronavirus verstorben und 26.579 wieder genesen. Aktuell befinden sich 209 Personen aufgrund des Coronavirus in krankenhäuslicher Behandlung, davon 42 der Erkrankten auf Intensivstationen.

In Wien wurde von Freitag auf Samstag der bisher höchste Anstieg von Coronavirusinfektionen registriert. Laut medizinischem Krisenstab wurde binnen 24 Stunden ein Rekord-Anstieg um 444 Fälle auf insgesamt 10.655 registriert.

Die Zahl der mit dem Virus zusammenhängenden Todesfälle bleibt hingegen auf niedrigem Niveau - nämlich 229. Zwei Frauen (77 bzw. 81 Jahre) und ein Mann (77 Jahre) sind verstorben. 7.410 Personen sind in Wien wieder genesen. Am Freitag wurden in der Bundeshauptstadt insgesamt 6.803 Corona-Tests vorgenommen. Die Gesamtzahl erhöht sich damit auf 359.186. Zuletzt ist die Rate der positiven Tests im Vergleich zu den absoluten Zahlen laut Rathaus leicht zurückgegangen.

Wien testet alle Kontaktpersonen systematisch, wodurch auch viele unsymptomatisch Erkrankte entdeckt werden, wie betont wird. Das Vorgehen im März zur absoluten Peak-Zeit sei anders gewesen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker. Die aktuellen Werte seien mit den damaligen darum schwer zu vergleichen. Da man damals nur Personen testete, die sich über das Gesundheitstelefon gemeldet haben, seien nur Menschen mit Symptomen in die Statistik aufgenommen worden. Es sei davon auszugehen, dass es damals noch viel mehr Fälle gab.


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