Die ersten Botschafter des Whiskys aus Tirol

Schnapsbrennen alleine ist zu wenig. In Tirol wird immer mehr Gin und Whisky hergestellt. Um fachmännisch beraten zu können, wurde eine spezielle Ausbildung angeboten.

Die ersten zertifizierten Whisky- und Gin-Ambassadore Tirols sind: Lorenz Rossetti und sein Vater Anton Rossetti, Manfred Höck, Peter Fischer, Anton Steixner, Martin Oberhofer und Stefan Schiechtl (stehend v. l.), Hubert Strasser, Elke Obkircher, Monika Steixner, Arno Pauli (sitzend v. l.). Zwischen den zwei Frauen sitzt zudem der Ausbilder Arthur Nägele.
© Frank

Von Susann Frank

Innsbruck – In Tirol ziehen seit Freitag elf Botschafter in alle Richtungen davon, um den Menschen Whisky- und Gin-Feinheiten näherzubringen. Alle elf sind leidenschaftliche Schnapsbrenner, die zur Horizont-Erweiterung den zertifizierten Whisky- und Gin-Ambassador beim Vorarlberger Arthur Nägele absolviert haben. „Sie sind die ersten Tiroler, die diesen Kurs abgeschlossen haben“, erklärt der Ausbilder.

Warum er das so genau weiß? Weil er der einzige Österreicher ist, der diesen lizensierten Kurs aus dem schottischen Glasgow in der Schweiz und in Österreich abhalten darf. Nägele fasziniert Whisky, der aus Getreide hergestellt wird. Was schon einmal der erste große Unterschied zu den heimischen Schnapssorten ist.

Fässer: Größe, Holzart und vorheriger Inhalt beeinflussen den Geschmack bei der Whisky-Herstellung.
© Visit Scotland

„Aber wir haben bei dem Kurs gar nichts über das Brennen gelernt“, erzählt Anton Rossetti aus Kolsassberg. Der Schnapsbrenner betont, dass diesbezüglich jeder Hersteller auf sich gestellt ist: „Du musst aus deinen eigenen Fehlern lernen und die sensorischen Fähigkeiten trainieren, also Riechen und Schmecken.“

Und um genau das sei es im Kurs gegangen, sensorisch die feinen Unterschiede zu erkennen. „Wir haben am Geruch und beim Testen gelernt, um welchen Whisky es sich handelt, woher dieser stammt und um welche Qualität es sich handelt“, erklärt Rossetti. Der richtige Riecher sei wichtig, um guten Whisky herzustellen, zudem ist er in der Kundenberatung von Bedeutung. Denn: Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

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Der eine mag es rauchiger, der andere bevorzugt die fruchtigere Note. Der Dritte trinkt aus Prinzip nur Single-Malt-Whisky – der König unter den weltweiten Sorten. Dieser besteht ausschließlich aus gemälzter Gerste und darf nur aus einer einzigen Brennerei stammen. „Single-Malts sind besonders hochwertig. Wer sie trinkt, soll etwas Besonderes sein. In früheren Zeiten war es das Getränk der obersten Gesellschaftsschicht“, sagt Nägele.

Feine Unterschiede bedingen das Faszinosum Whisky:

Herstellungsverfahren von Whisky, Schritte:

  1. Vorbereiten des Getreides (meist Gerste, aber auch Mais, Hafer, Weizen, Reis etc.) – hauptsächlich Mälzen, im Fall von Mais auch Kochen:
  2. Schroten
  3. Maischen
  4. Gären
  5. Brennen (Destillation)
  6. Lagern

Lagerung: Die jahrelange Reifung (mindestens 3 bis 25 Jahre) in einem Holzfass ist für den Geschmack bedeutsam. Hierbei sind die Holzart, die frühere Nutzung des Fasses, die geographische Lage des Lagerhauses, die Bauart des Lagerhauses, das Mikroklima und die Dauer der Reife wichtige Faktoren.

Weitere Faktoren, die u. a. den Geschmack bestimmen: Getreidesorte (in Tirol häufig Imperial- und Monroe-Gerste), Wasser- und Bodenbeschaffenheit.

Unterschiede nach Getreideart:

  • Malt-Whisky: ausschließlich aus gemälzter Gerste.
  • Grain-Whisky wird u. a. aus Weizen, Gerste und Hafer und/oder Roggen und/oder Mais hergestellt.
  • Rye-Whisky: überwiegend aus Roggen (mindestens 51 Prozent).
  • Bourbon-Whisky: überwiegend aus Mais (mindestens 51 %).
  • Corn-Whisky: Großteils Mais (mindestens 80 %).

Ländermerkmale: Scotch ist immer schottischer Whisky. Tennessee Whiskey (schreibt sich auch anders) stammt aus Tennessee.

Seine Kursteilnehmer erkennen einen solchen jetzt blind. Schließlich bekamen sie die Augen verbunden, um bei der Prüfung den getesteten Whisky nach Geschmack und Geruch zu benennen und zu sagen, aus welcher Region dieser stammt. Aus vier Proben mussten zwei richtig erkannt werden. Zu lernen war zudem die Entstehungsgeschichte, welche Whiskys wo gebrannt werden, was daraus gemixt werden kann und welche Unterschiede es bei der Lagerung gibt. Das theoretische Wissen wurde in 30 Multiple-Choice-Frage abgeprüft.

Um auch das Zertifikat für den Gin-Ambassador zu erhalten, mussten die Teilnehmer bei einer Blindverkostung von sechs verschiedenen Zutaten vier benennen können. Gin besteht normalerweise aus einem Neutral-Alkohol landwirtschaftlichen Ursprungs (beispielsweise Korn oder Wodka), der mit Wacholder und anderen Gewürzen versetzt wird. Es gibt jedoch auch Ginsorten u. a. mit Zitrus- und Pfeffernoten. „Gin ist das konträre Getränk zu Whisky“, hebt Nägele hervor. „Es geht weniger ums Wissen als ums Trinken und zudem wird er meist gemischt. Mit drei weiteren Zutaten kann ich zum Beispiel 25 andere Getränke herstellen.“

„Wer Brennrechte hat, möchte auch etwas Exotisches herstellen"

Das erklärt jedoch nicht, warum immer mehr der ehemals klassischen Schnapsbrenner Tirols ihr Repertoire diesbezüglich vergrößern. „Das ist leicht zu begründen“, sagt Anton Rossetti, der vor zehn Jahren begann, Whisky herzustellen: „Wer Brennrechte hat, möchte auch etwas Exotisches herstellen, um damit mehr auf die internationale Ebene zu kommen.“

Wichtig ist dabei, nicht den berühmten schottischen Whisky imitieren zu wollen, sondern einen für Tirol identischen herzustellen. Denn alleine die Erdbeschaffenheit, die Gerste (Imperial oder Monroe) und das Wasser bedeuten schon einen Geschmacks-Unterschied.


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