Klangspuren Schwaz: Neues entstand aus der Störung

Mathias Spahlingers neu gefasste Etüden „doppelt bejaht“ im Schwazer Silbersaal.

Reichlich Klangspuren legte das „oesterreichische ensemble für neue musik“ für das Tiroler Festival.
© Klangspuren

Von Ursula Strohal

Schwaz – Musik organisiert sich die Zeit autonom, für das grundsätzliche Zeitmanagement vertrauen größer besetzte Ensembles seit dem Spätbarock auf Dirigenten. Mathias Spahlinger, Jahrgang 1944 und am Sonntag im Klangspuren-Zentrum, schafft ihn wieder ab und dehnt die Autonomie des Musizierenden auf Inhaltliches aus. Seine groß besetzte, 24-teilige Komposition „doppelt bejaht – Etüden für Orchester ohne Dirigent“ richtete er nun, um sieben Etüden gekürzt, für Kammerorchester ein. Das oesterreichische ensemble für neue musik präsentierte die Uraufführung.

Die 18 vortrefflichen Musikerinnen und Musiker in vorwiegend solistischer Orchesterbesetzung plus Saxophon und Gitarre sind auf vier Podien um und im Publikum postiert. Ihre Selbstbestimmtheit im Experiment besteht darin, innerhalb der 17 Etüden manche Wege frei zu wählen, ebenso einen Übergang zwischen den Modulen. Dem Zuhörer bleibt der Gesamteindruck, und der erwies sich als durchaus sinnstiftend.

Laute Cluster und zarte Flächen

Innerhalb der Etüden gab es laute Cluster und zarte Flächen, dann sprachen nur die Klappen, Musikstücke und Resonanzkörper der Instrumente. Aus klanglicher Vernetzung löste sich ein Hornsolo, die Tuba übte einen leisen Höhenflug, Klanghölzer erzählten von Regentropfen. Gebrochene Akkorde wurden verschachtelt, man ließ sich nicht gerne ausreden. Als alle zu den Klangstäben gegriffen hatten und Rhythmen woben, schlich sich eine klitzekleine Gamelan-Assoziation ein, gleich wieder verworfen. Aber Charles Ives und Luciano Berio durften bleiben, als es um das Ineinander unterschiedlicher Kollektive ging.

Kaum zu hörende Töne aus verschiedenen Instrumenten wurden in Summe zu einer vernehmbaren Stimme und bedeutungsvoll waren die Störversuche einzelner Musiker, die irgendwann nicht mehr mitmachen wollten, als man sich in einer erarbeiteten Schallquelle, einer Melodie, einem Rhythmusgeflecht fein eingerichtet hatte. Immer aber entstand gerade aus der Störung etwas Neues, Kreatives, Weiterführendes.


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