Das lange verwaiste Kloster in Ried blüht wieder auf

2,4 Millionen Euro fließen in Rieder Kapuzinerkloster, das für Pilger und Fortbildung offensteht.

Festakt beim Kapuzinerkloster: Dekan Franz Hinterholzer (r.) segnete das Objekt, das 1694 zur Abwehr des Engadiner Calvinismus entstand.
© Wenzel

Ried im Oberinntal – Schützensalven ertönten, die Musikkapelle spielte auf: Die Rieder hatten am Sonntag mehr als nur ihren traditionellen „Truyner Kirchtag“ mit Prozession und Verehrung der Blumenmuttergottes zu feiern. Erstmals öffneten sich die Tore zum renovierten Kapuzinerkloster – ein Projekt der Pfarre mit einer Investitionssumme von 2,4 Millionen Euro. Das Kloster war nach dem Tod des letzten Kapuziners, Pater Philipp Bock, im Jahr 2003 verwaist. „Trotzdem ist es ein fester Bestandteil des kulturellen Erbes in der Gemeinde Ried geblieben“, hob Dekan Franz Hinterholzer hervor.

Der erste Teil des Renovierungsprojektes mit Kosten von 1,24 Millionen Euro sei nun fertig gestellt. Man habe sich die künftige Nutzung gut überlegt: Die kleinen Zimmer mit Original-Holztäfelung sollen Pilgern und Menschen mit Stressberufen bzw. zur Burnout-Prophylaxe offenstehen. „Der Stil wird spartanisch bleiben.“ Zudem gebe es Raum für Fortbildung, Seminare und Besinnungstage.

„Garten der Generationen“

Ein Haus für betreubares Wohnen steckt ebenso im Gesamtkonzept wie die neue Nutzung des Klostergartens als „Garten der Generationen“. Beide Projekte sollen 2021 realisiert werden. Man habe die Liegenschaft von der Kapuzinerprovinz erworben, „damit die Rieder die Einrichtungen nutzen können“, sagte Hinterholzer. Er würde sich freuen, „wenn sich hier vor allem die Jugend trifft“.

Neben Schloss Sigmundsried habe die Gemeinde mit dem Kapuzinerkloster ein weiteres Wahrzeichen, stellte Bürgermeister Elmar Handle fest. Er sei sehr stolz, dass die erste Etappe nach langer Vorlaufzeit umgesetzt werden konnte. „Es steckt auch viel ehrenamtliche Arbeit in dem Leuchtturmprojekt drinnen.“

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Bollwerk gegen den Calvinismus

Zum Gesamtbudget von 2,4 Millionen. Euro fehlen laut Hinterholzer derzeit 300.000 Euro. Den bisherigen Geldgebern habe er zu danken – Landesgedächtnisstifung, Kulturabteilung, Gemeinde Ried und Bund sowie privaten Spendern.

Spenden

Aktuelles Spendenkonto: AT22 3631 5300 0032 3188.

Zur Geschichte des 1694 erbauten religiösen Stützpunktes weiß die Kunst- und Kulturhistorikerin Sylvia Mader: „Das Kapuzinerkloster Ried ist als Bollwerk gegen den Calvinismus im Engadin entstanden. Es stand damals in enger Verbindung mit dem Kloster Tarasp.“ (hwe)


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