Üble Nachrede: Pestizid-Gegner in Bozen vor Gericht

Zwei Umweltaktivisten wird üble Nachrede vorgeworfen. Sie haben die Methoden der Südtiroler Obstbauern kritisiert.

Im Buch „Das Wunder von Mals“ wirft Autor Alexander Schiebl den Bauern „Tötung durch vorsätzliches Ignorieren der Gefahren“ vor.Foto:
© Südtirol Marketing

Von Benedikt Mair

Innsbruck, Bozen – Es ist eine vergiftete Debatte, die seit Jahren in Südtirol geführt wird. Auf der einen Seite die Umweltaktivisten, die den Obstbauern vorwerfen, zu viele Pestizide zu sprühen und damit die Gesundheit der Menschen zu gefährden. Auf der anderen die Landwirte, die sich allen voran am Ton ihrer Gegenüber stören. Die Fronten sind verhärtet. Dieser Streit gipfelte in einer Anzeige gegen zwei Kritiker des Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Wegen übler Nachrede müssen sie sich heute in Bozen vor Gericht verantworten.

Dem Agrarreferenten des Umweltinstitutes München, Karl Bär, und dem Buchautor Alexander Schiebel wird vorgeworfen, die Arbeit der Südtiroler Landwirte diffamiert zu haben. Ersterer zeichnete für eine mit „Pestizidtirol“ betitelte Kampagne verantwortlich. Schiebel hat in seinem Buch „Das Wunder von Mals“ den Obstbauern unter anderem der „Tötung durch vorsätzliches Ignorieren der Gefahren“ bezichtigt.

Arnold Schuler 
(Agrarlandesrat, SVP): „Es ging uns darum, deutlich zu machen, dass es innerhalb von Diskussionen Grenzen gibt.“
© Schuler

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Bozen eine Anzeige des Südtiroler Landwirtschaftslandesrates Arnold Schuler (SVP). Nachdem Anklage erhoben wurde, hatte sich Schuler und mit ihm 1500 Bauern dieser angeschlossen – bis gestern. Denn kurz vor Prozessstart haben der Landesrat und die Landwirte auf ihre Nebenklägerschaft verzichtet. Zumindest größere Schadensersatzzahlungen dürften damit vom Tisch sein, im Vorfeld war die Rede davon, dass diese bei einer Verurteilung in Millionenhöhe ausfallen könnten.

Trotzdem: Vor dem Landesgericht Bozen soll verhandelt werden, ob das Verfahren nach dieser Wendung eingestellt wird, könnte sich heute im Laufe des Tages zeigen. „Es ging uns darum, deutlich zu machen, dass es innerhalb von Diskussionen Grenzen gibt“, sagt Landesrat Arnold Schuler. Bei außergerichtlichen Gesprächen hätten sich beide Parteien auf einen respektvollen Umgang miteinander geeinigt. Einer sachlichen Diskussion zu Pestiziden „stellen wir uns gerne und selbstbewusst“, meint Schuler.

„Ziel ist es nicht, mir eine Straftat nachzuweisen“

Karl Bär vom Umweltinstitut München, einem Verein mit Fokus Umweltschutz, glaubt die Intention für die Klage sei eine andere gewesen. „Ziel ist es nicht, mir eine Straftat nachzuweisen“, sagt Bär. Er habe dadurch zum Schweigen gebracht, andere Kritiker durch die Gefahr der hohen Prozesskosten gar davon abgehalten werden sollen, sich zu äußern. „Wenn sich das durchsetzt, stranguliert das ein Stück weit die freie Meinungsäußerung.“

Solidarisch mit den Angeklagten gezeigt hatten sich gestern unter anderem die Umweltorganisation Global 2000 und Thomas Waitz, Abgeordneter der österreichischen Grünen im EU-Parlament.


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