Corona-Ampel: Tirol zwischen Überraschung und Unsicherheit

Ist Innsbruck knapp an Corona-Rot vorbeigeschrammt? Das blieb gestern unklar. Und auch sonst löst die Ampel bei Behörden Unsicherheit aus.

So menschenleer war Innsbruck vor einem halben Jahr. Einen zweiten Lockdown will man jetzt mit allen Mitteln vermeiden.
© Foto Rudy De Moor

Innsbruck – Orange, das irgendwie wie Gelb ist und über das sich viele grün und blau ärgern. An Möglichkeiten für Wortspiele mangelt es angesichts des Ampel-Chaos nicht. Mit einer Mischung aus Überraschung und Unsicherheit wurde in den betroffenen Bezirken gestern die neuerliche Sitzung der Kommission aufgenommen. Und schon bald geht das Farbenspiel weiter. Für Donnerstag ist die nächst­e Sitzung angesetzt. Überraschungen garantiert.

🚦 Innsbruck: In der Landeshauptstadt ging in den vergangenen Tagen alles recht schnell. Am Freitag wurde klar, dass die Ampel auf Gelb gestellt wird. Montagvormittag verliehen BM Georg Willi (Grüne) und Vize Hannes Anzengruber (VP) noch der Hoffnung Ausdruck, bald auf „Grün“ zurückkehren zu wollen. Am Abend wurde dann aber klar: Innsbruck wird „orange“ – und könnte an einer roten Ampel vorbeigeschrammt sein. Schließlich stuft die Kommission die so genannte „risikoadjustierte 7-Tages-Inzidenz“ als „sehr hoch“ ein – dieselbe Einschätzung gab es auch für Wien.

Trotzdem fiel die Entscheidung der Kommission, Innsbruck auf „Orange“ zu stellen, dann einstimmig. BM Georg Willi gab sich beim Thema situationselastisch. Er hofft „auf Gelb im Winter“. Willi hält die orange Ampelschaltung für „etwas mehr als rein symbolisch“. Wie knapp Innsbruck an Rot vorbeigeschrammt ist? „Das kann ich nicht beurteilen“, sagt Willi. Er habe keine weiterführenden Informationen erhalten. Zumindest sank gestern in der Landeshauptstadt die Zahl der Infizierten wieder etwas.

📽️ Video | Innsbruck und Kufstein auf "Orange"

Einen zweiten „Lockdown in der Stadt vermeiden“ will Anzengruber. Er bemängelt klare Vorgaben aus dem Ministerium und ortet Verunsicherung in der Bevölkerung. Der VP-Viz­e gibt dann auch dem Koalitionspartner (sowohl im Bund als auch in der Stadt) einmal mehr ordentlich eine mit: „Es scheint, der Gesundheitsminister ist mit seiner Ampelregelung völlig überfordert.“ Das Chaos müsse rasch gestoppt werden. Replik von Willi darauf: „Solche Meldungen bringen rein gar nichts.“

🚦 Kufstein: Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer wartet darauf, was Land und Bund für weitere Maßnahmen verlautbaren. Die Lockerungsverordnung sei bereits sehr streng, diese wird auch kontrolliert und angewandt (MNS-Schutz, Veranstaltungen etc.). Die positiven Fälle würden sich im Bezirk „sehr gut nachverfolgen“ lassen. Zuerst seien es Heimkehrer aus dem Westbalkan, dann Urlaubsheimkehrer gewesen, die für große Cluster sorgten. Derzeit sind die meisten Fälle auf den privaten Bereich, große Familienfeiern und Fußballspiele (rund 80 Fälle aus Letzteren) zurückzuführen.

Platzgummer zeigt sich von der Entscheidung der Kommission, Kufstein auf „Orang­e“ zu setzen, „überrascht“. Man sei eigentlich davon ausgegangen, dass vorher noch einmal mit den Bezirken gesprochen wird. „Es gibt sehr starke regional­e Unterschied­e, daher ist es für die Leute nicht nachvollziehbar.“ So gebe es in Alpbach überhaupt keinen Fall. Und: Im Krankenhaus Kufstein gibt es derzeit kein Kapazitätsproblem. Nach Schwaz reihten sich auch die Bezirke Innsbruck-Land und Landeck in den gelben Reige­n ein.

🚦 Landeck: Bezirkshauptmann Markus Maaß gestand: „Dass unser Bezirk gelb eingefärbt worden ist, hat uns etwas überrascht.“ Der Blick geht unter anderem in den Nachbarbezirk Imst, wo es mehr Infizierte (teilweise aus einem bekannten Cluster) gibt und die Ampel „grün“ ist. „Unmittelbaren Handlungsbedarf gibt es nicht“, sagt Maaß. (mw, wo, hwe)

📽️ Video | Corona-Ampel ohne Maßnahmen


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