Fünf Migranten nach Bränden in Moria auf Lesbos festgenommen

Eine Woche nach den Bränden im Flüchtlingslager Moria hat die Polizei auf der griechischen Insel Lesbos fünf Flüchtlinge wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen. Fünf junge Migranten seien festgenommen worden, nach einem sechsten werde derzeit noch gefahndet, sagte Zivilschutzminister Michalis Chrysohoidis am Dienstag der griechischen Nachrichtenagentur ANA.

Griechische Medien berichteten, zwei der mutmaßlichen Brandstifter seien nicht auf Lesbos, sondern in Nordgriechenland festgenommen worden. Es handle sich um Minderjährige, die einen Tag nach dem Großbrand nach Nordgriechenland ausgeflogen worden waren, um sie zu schützen, und die von anderen Staaten der EU aufgenommen werden sollten, berichtete der Athener Fernsehsender „Mega“ unter Berufung auf Kreise der Polizei.

Im Lager Moria war in der Nacht auf Dienstag nach griechischen Behördenangaben an mehreren Stellen Feuer gelegt worden. Das Lager brannte größtenteils ab, durch einen weiteren Brand am Mittwoch wurde auch der Rest komplett zerstört. Rund 11.500 Menschen wurden obdachlos, darunter 4.000 Kinder. Die griechischen Behörden gehen davon aus, dass die Feuer absichtlich von Flüchtlingen gelegt wurden, um eine Verlegung aus dem völlig überfüllten Lager zu erzwingen.

Moria war in den vergangenen Jahren immer wieder wegen des Leids der dort unter verheerenden Bedingungen untergebrachten Flüchtlinge in der Kritik. Die mehr als 12.000 Insassen saßen teilweise seit Jahren unter menschenunwürdigen Umständen dort fest. Während die Inselbehörden derzeit ein neues Lager nahe dem Küstenort Panagiouda aufbauen, streiten die EU-Staaten erneut über die Verteilung von Flüchtlingen.

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In dem neuen provisorischen Lager sind inzwischen knapp 800 Bewohner des abgebrannten Flüchtlingslagers untergebracht worden. Wie am späten Montagabend aus dem griechischen Migrationsministerium verlautete, wurden dort 21 Bewohner auf das neuartige Coronavirus positiv getestet.

Auf dem Flughafen Wien landete am Dienstagnachmittag ein russischer Transportflieger des Typs Antonow 124. Das Flugzeug hat Hilfsgüter für die obdachlosen Migranten auf Lesbos geladen, die Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) am Mittwoch seinem griechischen Amtskollegen persönlich übergeben wird.

Österreich bringt insgesamt 55 Tonnen Hilfsgüter als Soforthilfe zu der griechischen Insel, auf der seit dem Brand des Flüchtlingslagers Moria mehr als 12.000 Asylwerber obdachlos sind. Die Fracht wiegt 55 Tonnen und ist 300 Kubikmeter bzw. 150 Paletten groß. Sie wird mit der russischen Antonow 124, einem der größten Transportflugzeuge der Welt, am Mittwoch nach Athen gebracht.

Viele Migranten wollen allerdings nicht auf Lesbos bleiben und weigern sich, in die neuen Zelte zu ziehen. Journalisten haben dort keinen Zugang. Die Versorgung ist nach Angaben der ersten Bewohner nicht gut. Demnach fehlt es unter anderem an Duschen und Matratzen.

Die Migranten fürchten zudem die Ablehnung durch Einheimische, von denen sich viele inzwischen gegen einen Verbleib der Asylbewerber auf Lesbos wehren. Seit dem vergangenen Jahr kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Asylbewerbern und Bewohnern.

Der Präfekt der Nordägäis, Kostas Mountzouris, einer der schärfsten Kritiker der Regierungspläne zum Neubau eines Lagers auf Lesbos, rief für Dienstagnachmittag zu Protesten auf. Die Gegner fordern die Unterbringung der Migranten auf Schiffen.

Die EU-Asylbehörde Easo nimmt nach eigenen Angaben „in den kommenden Tagen“ die Arbeit auf Lesbos wieder auf. Easo-Mitarbeiter würden dann wieder Gespräche mit Asylbewerbern zur Unterstützung der griechischen Stellen führen, teilte die Behörde am Dienstag mit. Easo stellt demnach auch Personal zur Verfügung, um Griechenland beim Aufbau eines provisorischen Lagers auf Lesbos zu helfen.

Easo ist auf Lesbos mit rund 160 Mitarbeitern vertreten. Die Einrichtungen der Behörde in Moria waren vergangene Woche durch die Brände zerstört worden.

Nach Angaben der EU-Kommission warten auf Lesbos 11.000 Menschen auf die Entscheidung über ihren Asylantrag. 1400 wurde demnach internationaler Schutz zugesagt und bei 900 wurde der Antrag in zweiter Instanz abgelehnt.

Die größte Gruppe der Asylbewerber auf der Insel sind Menschen aus Afghanistan (77 Prozent). Es folgen Syrer (acht Prozent) und Migranten aus der Demokratischen Republik Kongo (sieben Prozent).


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