Innsbrucker Innenstadt: Von Begegnung war am ersten Tag keine Spur

Drei Straßenzüge im Innsbrucker Stadtzentrum sind seit gestern als Begegnungszone ausgewiesen. Viel verändert hat sich am ersten Tag aber nicht.

Verkehrsschild und Piktogramm weisen auf die neue probeweise Begegnungszone in Innsbruck hin.
© Vanessa Rachlé / TT

Von Denise Daum

Innsbruck – Viel Beachtung fand die neue Begegnungszone am ersten Tag noch nicht. Seit gestern Mittwoch – pünktlich zum Beginn der „Europäischen Mobilitätswoche“ – sind der nördliche Teil der Wilhelm-Greil-Straße, die Meraner Straße und die Erlerstraße testweise als Begegnungszone „Innere Stadt“ ausgewiesen. Eine Premiere für Innsbruck. Drei Wochen lang dauert der Probebetrieb an, dann entscheidet der Gemeinderat bei seiner Sitzung am 8. Oktober über die Fortführung der Maßnahme.

Bei einem Lokalaugenschein am späteren Vormittag zeigte sich allerdings, dass die Begegnungszone noch nicht in den Köpfen der Bevölkerung angekommen ist. Die Autos fahren gefühlt nicht langsamer als sonst – in Begegnungszonen gilt eigentlich ein Tempolimit von 20 km/h, um die Querung der Straßen an jeder beliebigen Stelle gewährleisten zu können.

Die Fußgänger zeigen sich ebenfalls noch recht unbeeindruckt von den neuen Regelungen. Darauf angesprochen reagieren die meisten Passanten mit Gleichgültigkeit. Viele sagen, dass in der Erlerstraße ohnedies wenig Verkehr herrsche und kein Unterschied zu vorher auszumachen sei. In der Wilhelm-Greil-Straße bleiben die Fußgänger großteils weiterhin an der Ampel stehen, um die Straße zu überqueren – auch wenn in einer Begegnungszone das Queren der Straße an allen Stellen erlaubt ist.

Die Reaktionen auf den Probelauf würden wohl anders aussehen, wenn der ursprüngliche Plan der zuständigen Vizebürgermeisterin Uschi Schwarzl (Grüne) umgesetzt worden wäre. Zunächst sollte nämlich auch der hochfrequentierte Bozner Platz zur Begegnungszone gehören. Nach heftigem Protest von mehreren Seiten und der Warnung vor einem völligen Verkehrschaos legte Schwarzl diesen Plan wieder zu den Akten. Vorerst. Denn ganz vom Tisch ist die Idee noch nicht. Bei der vergangenen Gemeinderatssitzung im Juli erklärte Uschi Schwarzl Begegnungszonen zum wichtigsten Ins­trument im Kampf gegen „die unfaire Verteilung des öffentlichen Raums“ und sprach sich dezidiert für ein Stadtzentrum voller Begegnungszonen aus – inklusive Bozner Platz und Adamgasse.

Für Gemeinderat Gerald Depaoli ist die testweise Ins­tallierung der Begegnungszone ein Grund, um Schwarzl als Vizebürgermeisterin abzuwählen. Einen entsprechend dringenden Antrag hat er diese Woche eingebracht. Depaoli wirft Schwarzl vor, die Begegnungszone ohne verkehrssicherheitstechnische Prüfverfahren errichtet zu haben, diese sei damit „unrechtmäßig“.

Uschi Schwarzl reagiert gelassen auf den Abwahlantrag und weist alle Vorwürfe Depaolis zurück. Natürlich sei alles rechtmäßig abgelaufen und selbstverständlich seien sämtliche notwendigen Prüfungen im Vorfeld durchgeführt worden.

Schwarzl möchte nun in den kommenden drei Wochen Erfahrungen sammeln und herausfinden, wo es zur besseren Umsetzung eventuell noch bauliche Maßnahmen brauche.


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