Ampel auf Orange: „Die Lage in den Stadthotels ist dramatisch“

In Wien haben Traditionshäuser zahlreiche Mitarbeiter zur Kündigung angemeldet. In Innsbruck lief das Geschäft gerade wieder an, da kam die Farbe Orange — und eine Storno-Lawine.

„An der Stadthotellerie hängt auch der Handel“: Sonja Ultsch und Gustav Penz sind angesichts der aktuellen Lage nicht mehr so optimistisch wie im Juli.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Alexandra Plank

Innsbruck — Den Optimismus will sich Hotelierin Sonja Ultsch ob der Corona-Lage nicht nehmen lassen. Sie findet aber ein dramatisches Bild für die Situation: „Dass die Ampel in Innsbruck auf Orange steht, fühlt sich so an, als ob wir als Beherberger an einen Marterpfahl gefesselt, aber noch nicht tot wären."

Hotelierin Sonja Ultsch (Schwarzer Adler, Innsbruck: „Wir waren ausgebucht, bis Orange kam."
© Foto TT/Rudy De Moor

Das Familienunternehmen betreibt einige Hotels, neben dem „Adlers" und dem „Schwarzen Adler" in Innsbruck gibt es Niederlassungen in Dornbirn, Graz, Wien, Linz, Zürich und München. „In den großen Städten haben wir ziemliche Probleme, in Dornbirn läuft das Geschäft noch recht gut, auch in Graz und Linz. Und bis zur orangen Ampel auch in Innsbruck." Dieser Tage sollte der „Schwarze Adler" nach dem Umbau wiedereröffnet werden. „Wir waren ausgebucht, bis Orange kam. Meine Rezeptionistinnen haben mich am Montag angerufen, dass es eine Lawine an Stornierungen gibt."

Bar und Restaurant im Adlers würden recht gut laufen, im Hotelbereich seien die Auswirkungen gravierend. „Das Problem ist, dass wir in der Hotellerie nichts aufholen können. Jede Nacht, die ein Hotelbett nicht belegt ist, ist verloren." Dennoch hofft Ultsch, dass ihre Betriebe diese Zeit „durchtauchen" können. „Wenn Innsbruck aber rot wird und der Shutdown kommt, wird es brutal. Keiner kann sich die Kraftanstrengung vorstellen, die es braucht, um während des Stillstands eine Lösung für die Mitarbeiter zu finden und dann ein Hotel wieder hochzufahren."

„Wir suchen immer noch Mitarbeiter"

August Penz, der mit seinem Bruder vier Hotels in Innsbruck betreibt, kritisiert das noch nicht funktionierende Ampelsystem: „Wenn es keine verständlichen Regeln gibt, die man kontrollieren kann, nehmen die Menschen das nicht ernst." Im Juli und August sei er vorsichtig optimistisch gewesen, auch im Herbst eine halbwegs gute Auslastung zu erzielen: „Diese Einschätzung war leider falsch, die Buchungslage hat sich für die kommenden Wochen und Monate wieder massiv verschlechtert."

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Aus wirtschaftlichen Gründen werde es in seinen Betrieben wohl dennoch keine Kündigungen geben. „Wir suchen immer noch Mitarbeiter." Es mache in einem Hotel kaum einen Unterschied im Personalstand, ob es zu 25 oder 40 Prozent ausgelastet sei. Man müsse den Gästen immer einen schönen Aufenthalt bieten: „Der Gast will von Krise nichts hören."

Der Hotelier hat konkrete Forderungen an die Politik: „Die Kurzarbeit ist ein Erfolgsmodell und hat vielen geholfen. Aber manche dürfen gerade jetzt das Arbeiten nicht verlernen." Der Fixkostenzuschuss müsse verlängert, alle Hilfen schneller und einfacher abgewickelt werden. Über ein Cluster-Nachtlokal und dessen Partyvögel könne er nur den Kopf schütteln: „Wenn diese Dummköpfe auf engstem Raum abfeiern, ist es vor allem vom Disco-Chef unverantwortlich."

"Schwieriger Plan B"

Den richtigen Riecher hatte Thomas Hudovernik vom Hotel „Weißes Kreuz" in der Altstadt. Noch vor Corona wurde mit dem Umbau des Traditionshauses begonnen. „Wir wollten zur Adventzeit wieder aufmachen. Jetzt müssen wir uns anschauen, wie sich das mit Corona entwickelt." Hudovernik, der Obmann der Innenstadtkaufleute ist, fordert die Politiker auf, alles zu unternehmen, um einen weiteren Shutdown zu verhindern: „Das ist eine gigantische Herausforderung. Die Lage der Stadthotels ist dramatisch. An der Hotellerie hängt auch der Handel." Man müsse hoffen, dass man das überstehe und, wenn es eine Impfung gibt, wieder voll durchstarten könne.

Ein Plan B sei schwierig, denn „wenn keine Gäste kommen, hilft das beste Konzept nicht". Am meisten schade Innsbruck, dass Deutschland eine Reisewarnung für Wien ausgesprochen und auch die Lage in Innsbruck als besorgniserregend erwähnt hat. „Ohne den deutschen Gast haben wir keine Chance", so Hudovernik. Wegen Corona seien die Lieferzeiten länger, der Abschluss seiner Baustelle verzögere sich. Bis zum Advent werde alles fertig und hoffentlich die Corona-Lage im Griff sein. Auch Penz bleibt optimistisch: „Unser Blick ist nach vorne gerichtet. Wir hatten gute Jahre, das heurige hat schon sehr viel Kapital vernichtet." Ultsch übernimmt, wie sie sagt, auch Aufgaben des Zimmermädchens: „Wir können keine Mitarbeiter einstellen, jeder in der Familie muss überall anpacken."

Hotel Europa bei Käufern begehrt

Das Konkursverfahren über die Delta Hotelentwicklung GmbH (Betreibergesellschaft des Grand Hotel Europa) das am Donnerstag eröffnet wurde, sorgt weiter für Gesprächsstoff. 130 Gläubiger sollen betroffen sein. Feststeht, dass die Verpächterin, die PIMM Hotel Europa Tyrol Besitzgesellschaft m. b. H., die auch Gesellschafterin der Delta ist, nicht insolvent ist.

Der Innsbrucker Wirtschaftsanwalt Dietmar Czernich tritt als Vertreter der italienischen Eigentümer auf. Gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärte er, dass nun eine Auffanggesellschaft gegründet werde. Zur Zukunft der Immobilie, deren Wert laut Czernich trotz Corona eher bei 30 Millionen Euro als bei 25 Millionen Euro liege, hält er fest, die Weiterführung des Hotels sei ebenso eine Option, wie der Verkauf der Immobilie. Hierfür gebe es „eine Masse an Interessenten“. Namen österreichischer Hotelgruppen und Investoren, die derzeit in der Branche genannt werden, wollte er nicht bestätigen. Er gab aber an, dass auch viele ausländische Investoren sehr interessiert an dem Gebäude in zentraler Lage seien.

Das Traditionshaus wurde 1869 errichtet. Neben 117 Gästezimmern zählen Veranstaltungssäle, Konferenzräume, das Restaurant „Europa Stüberl“ und die Bar „Europa“ dazu. Indes macht das Gerücht die Runde, dass eine Aufstockung des Gebäudes um zwei bis drei Stockwerke möglich sei. Ein heimischer Investor plane ein Basic Hotel sowie darüberliegende Wohnungen.

Der grüne Landtagsabgeordnete und Hotelier Georg Kaltschmid erklärt generell, dass die Auslastung in Innsbruck auch zu guten Zeiten nicht über 60 Prozent liege. „Es braucht in der Landeshauptstadt sicher nicht mehr billige Betten, sondern vielmehr eine Investition in mehr Qualität.“


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