Peter Hacker: Selbstbewusste Wunderwaffe für rotes Wien

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) steht in der Corona-Pandemie in Wien an vorderster Front. Den Schlagabtausch scheut er nicht.

Musste zuletzt die Corona-Situation in Wien – fehlende Testkapazitäten, lange Wartezeiten – verteidigen: SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker.Foto: APA/Techt
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Carmen Baumgartner-Pötz

Wien –Drei Wochen noch bis zur Wien-Wahl. Das sind drei weitere Wochen, in denen im bundespolitischen Agieren, Reagieren und türkis-grünen Regieren immer auch auf die Bundeshauptstadt geschaut wird. Denn Wien ist wichtig: 1,3 Millionen Wahlberechtigte weist das Wählerverzeichnis aus. Bei diesem Wahlgang wittert die ÖVP aufgrund der gespaltenen Wählerschaft in FPÖ- und Strache-Anhänger seit langem Morgenluft in der Stadt, die seit Jahrzehnten rot regiert wird – seit 10 Jahren mit grüner Beteiligung.

Der Gegensatz Wien – Bundesregierung hat Tradition in Österreich. „Es geht wieder einmal um die grundsätzliche Frage, wer besser regiert: Konservativ-Rechts oder Links“, erklärt die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle gegenüber der TT.

Wiens Sozialstadtrat Peter Hacker (Archivfoto)
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Und mittendrin ist Peter Hacker. Seit der Ankunft der Corona-Pandemie in Österreich Ende Februar ist der Gesundheitsstadtrat der SPÖ omnipräsent – und zuletzt aufgrund der Corona-Situation in Wien (Verzögerungen bei Tests, schlechtes Contact-Tracing) auch oft im Zentrum der Kritik. Auf den Wahlplakaten prangt zwar Bürgermeister und Stadtparteichef Michael Ludwig, der erstmals als Spitzenkandidat in die Wahl geht. Doch Hacker, auf Platz sieben der Landeswahlliste gereiht, erfüllt in diesen Tagen, in denen er der Bundesregierung in Sachen Corona Contra gibt, eine mindestens genauso wichtige Funktion. Für Stainer-Hämmerle fällt Hacker in die Kategorie „Bauchpolitiker“. Er sei wie Grünen-Parteichef Werner Kogler einer, der „spontan-emotional spricht“, verglichen mit dem Politikertypus, der „stromlinienförmig, auswendig gelernt“ formuliere, so Stainer-Hämmerle.

Seine oft als schnoddrig empfundene Art bringt Hacker freilich nicht nur Anerkennung ein. Zur Zeit des Lockdowns im März erntete der rote Gesundheitsstadtrat etwa viel Kritik für seine Aussage, Ärzte sollten wegen fehlender Schutzkleidung „nicht hysterisch sein“. Dass sich Hacker oft wie ein Rammbock gegen den Bund stellt und den (roten) Wiener Weg verteidigt, dürfte nicht verwundern. Auch nicht, wie er sich mit Bürgermeister Ludwig das Feld aufteilt. „Die Rolle des Bürgermeisters ist wie die des Landeshauptmanns oder des Bundeskanzlers nicht so sehr die des Parteipolitikers“, erklärt Stainer-Hämmerle. „Ludwig muss ja als Bürgermeister für alle Wiener auftreten, aber es braucht auch jemanden, der sich in den Parteienwettbewerb reinhaut, und das ist Hacker“, so die Politikwissenschafterin. Sie sieht darin mehr eine „schlüssige Rollenaufteilung denn eine Zwei-Marken-Strategie“.

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Dabei ist noch ziemlich offen, wie sich die Pandemie auf den Wahlgang auswirkt, Stichwort Anteil der Wahlkartenwähler: „Die SPÖ lebt nicht mehr von den Arbeitern, aber von den Pensionisten“, sagt Stainer-Hämmerle. Nun wäre es zwar irgendwie Aufgabe einer Partei, ihrer Klientel das Wahlkarten-Wählen zu erklären, denn wenn diese aus Corona-Angst gar nicht wählen geht, könnte das für sie fatal sein. „Aber das hat eine schiefe Optik und geht nicht“, ist Stainer-Hämmerle überzeugt. So muss die SPÖ in den letzten drei Wochen vor der Wahl mobilisieren, was geht – auch mit einem selbstbewussten Gesundheitsstadtrat.

Breite Anerkennung als Flüchtlingskoordinator

Der 57-jährige Hacker wurde im Mai 2018 von Michael Ludwig in die Stadtregierung geholt, als dieser von Langzeitbürgermeister Michael Häupl übernahm. Damals hatte Hacker 17 Jahre Vorstand im Fonds Soziales Wien (FSW) hinter sich, wo er Krankenbetreuung, Pflege oder Wohnungslosenhilfe für rund 130.000 Menschen managte. Breite Anerkennung wurde ihm auch in seiner Rolle als Flüchtlingskoordinator zuteil.

Aussichten auf ein politisches Spitzenamt wurden Hacker freilich schon länger nachgesagt, denn immerhin verbrachte der 1963 geborene Wiener weit mehr als die Hälfte seines bisherigen Lebens in der Verwaltung. 1982, nach Matura und Präsenzdienst, trat er in den Dienst der Stadt Wien ein, 1985 holte ihn der damalige SPÖ-Bürgermeister Helmut Zilk als Berater ins Team. Hackers Themen: Bürgeranliegen, Jugend und Soziales.


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