Außerferner „Gamer“ Koch Media fixiert großen Kauf

Am Mittwoch wurde die holländische Vertigo Games Group um 115 Millionen Euro erworben. Der Spiele-Spezialist hält bei 1500 Mitarbeitern.

Koch-Media-CFO Reinhard Gratl zeigt eine Oculus-Brille für Virtual Reality. Mit dem gerade gekauften Unternehmen Vertigo Games Group aus den Niederlanden will man kräftig in der VR-Welt mitmischen.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Höfen – Die Koch-Media-Gruppe mit Sitz in Höfen geht schon seit Langem „die Extrameile“, wie sich ihr Geschäftsführer Reinhard Gratl gerne auszudrücken pflegt. Corona hat dem Unternehmen in den letzten Monaten keineswegs geschadet. Der „Gamer“, der zur börsennotierten schwedischen Embracer Group gehört, konnte heuer im neuen Geschäftsjahr mit Start 1. ­April den Umsatz um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Das Außerferner Unternehmen machte bisher pro Jahr knapp 400 Millionen € Umsatz. Die Exportrate beträgt 98 Prozent.

Koch Media hält weltweit inzwischen bei 1500 Mitarbeitern, womit der Stand seit 2018 verdoppelt wurde. Im Headquarter Höfen sind es „nur“ 180, aber gerade hier sucht Gratl händeringend nach zusätzlichem Personal. Im Mai wurden bereits an jeden Mitarbeiter als freiwilliger Corona-Bonus 1000 Euro bezahlt, um sich attraktiver Arbeitgeber zu profilieren.

Vom Europavertriebs­standort Höfen werden täglich 60.000 physische Datenträger verschickt. Einiges davon via Partnerpublishing wie die „Blockbuster“ Fortnite oder Lego Star Wars von Warner Bros. Entertainment. Zudem sind in eigenen Studios weltweit 900 Mitarbeiter der Gruppe Tag und Nacht nur damit beschäftigt, Spiele als Eigenproduktionen unter dem Namen Deep Silver zu entwickeln. Nicht zu vergessen das Games-Merchandising. Einen weiteren wichtigen Geschäftszweig stellt längst das Film-Geschäft dar.

Die Einkäufe: Allein heuer wurden das französische Karaoke-Studio Voxler und die auf Filme spezialisierte deutsche Sola Media übernommen, zudem Anfang September Verkaufsbüros in Tokio und Hongkong eröffnet. Am Donnerstag konnte dann der größte Deal in der Koch-Media-Geschichte über die Bühne gebracht und in den Niederlanden der Virtual-Reality-Spezialist Vertigo Games Group um 115 Millionen Euro erworben werden. Koch Media dringt damit in ein neues Feld vor. Alles Haptische wird zurückgelassen, digitale Welten werden über VR-Brillen „erobert“. Der Spieler sieht etwa Zombie-Monster nicht mehr am Bildschirm, sondern befindet sich selbst mittendrin in der virtuellen Welt.

CFO Gratl sehr überzeugt: „In diesem Nischenmarkt sehen wir als Koch-Media-Gruppe ein großes Potenzial, um auch den Standort Höfen weiter ausbauen zu können. Auch Facebook ist hinter der Oculus eine wesentlich treibende Kraft und wird die neueste Version der VR-Brille Oculus Quest bald auf den Markt bringen.“ Durch die immer besser und einfacher werdende Technik, das geringere Gewicht der Brillen und die wesentlich stärkere Verbreitung werden die Gamer zukünftig wohl immer mehr nach VR-Inhalten suchen.


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