Alltag sticken: Arthur-Zelger-Preis für Grafikdesignbüro „Weiberwirtschaft“

Text und Textiles: Das Innsbrucker Grafikdesignbüro „Weiberwirtschaft“ wird mit dem ersten Arthur-Zelger-Preis für gute Gestaltung ausgezeichnet.

Analog gestickt, digital übersetzt: Covergestaltung von Weiberwirtschaft für den Wei sraum, Designforum Tirol.
© Weiberwirtschaft

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – „Gestaltung ist immer dann gut, wenn sie Alltag wird, wenn sie selbstverständlich wird.“ Nach dieser Maxime arbeiten Heidi Sutterlüty-Kathan und Beatrix Rettenbacher seit 2000 als Weiberwirtschaft zusammen. Vom Innsbrucker Grafikdesignbüro stammen stoffliche Botschaften wie „Good Weibrations“ oder „more women in top positions“, die in den letzten 20 Jahren schon von so manch stolz geschwellter Brust abzulesen waren. Von Männern und Frauen übrigens. Für spitzfindigen Text und Humorig-Textiles ist das Designduo bekannt, ebenso wie für ihr kontinuierliches, kreatives Engagement im Auftrag von Tiroler Unternehmen wie Therese Mölk oder Tiroler Edle. Am Mittwochabend wurde Weiberwirtschaft mit dem Arthur-Zelger-Preis für Gestaltung prämiert.

Erstmals wurde der mit 5000 Euro dotierte Preis heuer vergeben. Initiiert von den Töchtern der Tiroler Grafikdesignikone (1914–2004), ausgelobt von der Tirol Werbung und organisiert vom Tiroler Designforum Wei sraum, soll er den Stellenwert des Gestalterischen erhöhen, indem er er herausragende Leistungen im Bereich Grafik und Design auszeichnen – natürlich mit jeweiligem Tirol-Bezug.

Regionalität wird in der Arbeit von Weiberwirtschaft großgeschrieben. Das Label „fair made in Tirol“ ist für die hauseigene Kollektion selbstverständlich. Ebenso bewusst gesetzt ist inzwischen auch ein politisch, oftmals feministischer Fokus. Bei der Gründung von Weiberwirtschaft war dieser nämlich noch nicht impliziert, sondern ergab sich vielmehr aus der damaligen Situation, erklärt Beatrix Rettenbacher im Gespräch mit der TT. Die Diskussion um die Situation der Frau in Arbeitswelt und Gesellschaft wurde aber beständig virulenter. Und für das Duo gewissermaßen auch zu einer Art Auftrag.

Beatrix Rettenbacher (l.) und Heidi Sutterlüty-Kathan.
© Schmollgruber

Feminine Techniken, wie das Sticken und andere kreative Outputs werden von der gebürtigen Salzburgerin Rettenbacher und der Vorarlbergerin Sutterlüty-Kathan modern interpretiert. Und vielfältig gedacht: 2013 etwa initiierte Weiberwirtschaft mit Anna Brunner ein Projekt im Flüchtlingsheim in der Reichenau, bei dem gemeinsam mit Asylwerberinnen gestickt wird. In unterschiedlichen Sprachen und unterschiedlichen Schriftbildern.

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Die Initiative, die bis heute weiterläuft, befruchtete auch die Arbeit der beiden Designerinnen. Rettenbacher ortet heute auch ein Bedürfnis nach dem Haptischen, nach analogen Techniken, besonders in einem immer stärker digitalisierten Umfeld. Als Weiberwirtschaft den Auftrag für die Covergestaltung des letztjährigen Herbstprogramms im Wei s­­raum bekamen (siehe Bild), griff Sutterlüty-Kathan also ganz unvermittelt erneut zu Sticknadel und Faden. Prompt brachte das dem Grafikdesignbüro eine Nominierung beim Joseph Binder Award 2020 ein, dem einzigen in Österreich ausgeschriebenen Designbewerb im Bereich Grafikdesign und Illustration mit internationaler Ausrichtung.

Apropos Wei sraum: Hier wird ab 30. September anlässlich der Zelger-Preisvergabe zusätzlich eine Ausstellung von Weiberwirtschaft zu sehen sein, mit alten Designs und neuen Selbstverständlichkeiten. Der Titel „Wir haben schon wieder etwas angerichtet“ lässt schon vermuten, da ist keine statische Schau geplant. Und apropos Zelger-Preis: Neben dem Hauptpreis wird jährlich auch ein Förderstipendium vergeben, das heuer an Fabian Draxl geht.


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