Eine satte Runde: Die Kalkkögel in den Nordtiroler Dolomiten

Eine abwechslungsreiche und zugleich anspruchsvolle Rundtour mit 1450 Höhenmetern und 13 Kilometern stellen wir im TT-Tourentipp vor - und zwar in den Kalkkögeln, im Herzen der Dolomiten Nordtirols.

Auf dem Weg zur Marchreisenspitze.
© flex

Axams – Sie sind etwas Besonderes. Und wer sie einmal ins Herz geschlossen hat, wird sie so schnell nicht wieder vergessen: die Kalkkögel. Majestätisch, imposant und zugleich furchterregend und schier unbezwingbar thronen sie hoch über dem westlichen Mittelgebirge – über weite Strecken aus der Ferne sichtbar. Im Größenvergleich zu den „echten“ Dolomiten sind die Dolomiten Nordtirols, so wie die Kalkkögel oft bezeichnet werden, aber lediglich ein kleiner Fisch. Während es der Gebirgszug südlich des Alpenhauptkammes auf eine Quadratkilometergröße von etwa 4000 bringt, umfassen die „Tiroler Dolomiten“ nur eine Fläche von rund 35 Quadratkilometern.

In die „kleinen“ Dolomiten, also in die Kalkkögel, führt diese Woche unser Tourentipp. Und zwar geht’s von der Axamer Lizum über das Halsl (1992 m) hinauf auf den Ampferstein (2556 m). Von dort auf die Marchreisenspitze (2620 m) und hinüber bis auf die Hochtennspitze (2549 m). Von dort über den Hochtennboden und den Widdersbergsattel durch das Lizumer Kar zurück zum Parkplatz in der Axamer Lizum.

Die Tour ist als leichter Klettersteig (max. B) ausgewiesen, wobei erfahrene und trittsichere Berggeher bei dieser Runde auch ohne Klettersteigset oft ein Auskommen finden. Ein Helm, speziell beim Aufstieg auf die Marchreisenspitze, ist aber kein Fehler.

Unterhalb des Ampfersteins gibt es Gehgelände.
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Ein Blick zurück: Die meisten Gipfelerstbesteigungen in den Kalkkögeln gehen auf das Konto des Tiroler Alpinisten Carl Gsaller (geboren 1851 in Innsbruck, verstorben 1931).Zwischen den Jahren 1879 und 1883 gelang ihm etwa die Besteigung von Ampferstein, Marchreisen, Malgrubenspitze, Riepenwand und der Schlicker Seespitze. Letztere ist mit knapp über 2800 Metern Seehöhe übrigens die höchste Erhebung in den Kalkkögeln. Ihm zu Ehren wurde auch ein Steig in den Kalkkögeln benannt: der „Gsallersteig“.

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So kommt man hin: Am Parkplatz (kostenlos) in der Axamer Lizum beginnt unser Aufstieg. Wir folgen dem Weg unschwierig hinauf zum Halsl. Während der Pfad hinauf zur Saile (Nockspitze) nach links abzweigt, geht’s für uns steil und in Serpentinen rechts hinauf in Richtung Ampferstein über den „Lustige Bergler“-Steig. Dieser ist teilweise drahtseilversichert und führt zudem durch einen schmalen Kamin und über Eisenstufen. Mit zunehmendem Höhengewinn wird es ausgesetzter und anspruchsvoller, bleibt aber extrem abwechslungsreich.

Schwindelfrei und trittsicher sollte man definitiv sein. Der erste Gipfel, der Ampferstein ist erreicht. Was für ein Rundumblick! Es geht weiter in Richtung Marchreisen. Ein kurzes Stück zuerst bergab, bis der Anstieg zum zweiten Gipfel beginnt. Und gleich am Anfang ist wiederum ein schmaler, aber versicherter Kamin zu durchklettern.

Entlang von ausgesetzten und schmalen Felsbändern und über eine Schlucht sowie in leichter und versicherter Kletterei erreichen wir nach gut einer Stunde Gehzeit die Marchreisenspitze. Auf der Marchreisenspitze verweilen wir länger und genießen bei herrlicher Aussicht unsere Jause. Das Panorama hat das Prädikat „top“ zu hundert Prozent verdient.

Noch ist die Rundtour aber nicht zu Ende. Über die Südwestseite steigen wir von der Marchreisenspitze ab. Vorsichtig, denn teilweise ist der Weg ziemlich abschüssig und grobschottrig. Typisches Kalkkögel-Terrain eben.

Wir treffen auf den Wanderpfad, der unterhalb der March­reisenspitze herführt. Man kann die Runde nämlich auch ohne Aufstieg zur Marchreisen genießen. Leicht kupiert folgen wir auf einem schmalen Steig entlang der Südseite und mit Blick in Richtung Schlick nach Westen bis hinüber zur Malgrubenscharte. Hier besteht die Möglichkeit, über die Schotterreise ins Lizumer Kar abzusteigen. Wir aber wollen noch hinüber zur Hochtennspitze.

Für die vorgestellte Tour ist Trittsicherheit und Kondition erforderlich – nicht nur am „Lustige Bergler“-Steig, die Klettersteigausrüstung mit dabeizuhaben kann nicht schaden.
© flex

Leicht bergauf und wieder bergab kommen wir dem dritten Ziel näher. Kurz vor dem Gipfel der Hochtennspitze wird es noch einmal steil. Aber von der Schwierigkeit ist dieser Gipfel der leichteste. Hochtennspitze erledigt. Über die Westseite steigen wir ab bis zum Hochtennboden. Jetzt hat man die Qual der Wahl: Entweder man geht geradeaus weiter bis zum Hoadl (Bahnbetrieb Freitag bis Sonntag, bis 27. September), nimmt die Damenabfahrt oder fährt mit der Bahn ins Tal. Wir entscheiden uns für eine andere Variante und wandern vom Hochtennboden mit Gegenanstieg zum Widdersbergsattel und steigen von dort über das Lizumer Kar ab zurück zum Parkplatz in der Axamer Lizum.

Fazit zur Tour: Diese abwechslungsreiche Runde zählt mit Sicherheit (zumindest für mich) zu einer der schönsten Touren in den Stubaier Alpen. Aufgrund der schwarzen Bergwege und teilweise einer Klettersteigklassifizierung ist die Wanderung allerdings trittsicheren und schwindelfreien Berggehern vorbehalten. Freilich kann man die Tour verkürzen und nach dem Ampferstein oder der Marchreisen über die Schotterreisen ins Lizumer Kar absteigen. Bis zum 27. September sind die Bahnen in der Axamer Lizum noch in Betrieb.

Ein Tipp: Man kann auch bequem mit dem Sessellift hinauf zum Birgitzköpflhaus fahren, von dort hinüber zum Halsl spazieren und die Runde drehen. So erspart man sich 350 Höhenmeter. (flex)


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