Deutscher Botschafter will Wiener Corona-Lage laufend prüfen

Nach der Reisewarnung Deutschlands für Wien aufgrund der Coronazahlen hat der deutsche Botschafter in Österreich, Ralf Beste, erklärt, dass die Lage in einem „sehr flexiblen Verfahren“ regelmäßig geprüft werde. „Wenn das Infektionsgeschehen in Wien stabil unter dem Schwellenwert von 50 ist, dann werden wir das gerne anpassen“, sagte er am Donnerstag auf „Ö1“ zur möglichen Dauer der Reisewarnung.

„Dieser Prozess, Reisewarnungen auszusprechen, ist übrigens nichts, was Deutschland exklusiv macht“, hielt der Diplomat im „Morgenjournal“ fest. „Österreich hat Reisewarnungen für ganze Länder, beispielsweise Kroatien und Schweden. Die Bundesregierung in Deutschland versucht, das regional zuzuschneiden, und wir haben Reisewarnungen für relativ viele Ballungsräume, Städte, Hauptstädte“ - so etwa für Paris, Genf, Brüssel, Prag, Amsterdam „und jetzt auch Wien“.

Der Blickpunkt sei „genauso wie der der österreichischen Regierung mit Blick auf das eigene Land“, sagte Beste. „Wir müssen das reisebedingte Infektionsgeschehen versuchen, unter Kontrolle zu bringen, und versuchen, das so kontrolliert wie möglich zu tun.“ Er verwies auch darauf, dass die österreichische Regierung Österreichern zur Zeit von jedweder Auslandsreise abrate.

Der Botschafter plädierte dafür, nicht so sehr auf Kontrollen zu setzen, sondern auch auf Eigenverantwortung. „Wir haben keine Grenzkontrollen systematisch zu Österreich, das heißt, wenn Sie mit dem Auto einreisen, sind Sie selbst gehalten, sich entsprechend den Regeln zu verhalten.“ Dass es keine scharfen Grenzkontrollen gebe, heiße aber nicht, dass man sich „durchschleichen“ könne, „sondern jeder, der nach Deutschland kommt, soll sich dann in seinem Zielgebiet, in seiner Heimat beispielsweise, beim Gesundheitsamt melden, muss das auch tun. Wenn das bei stichprobenartigen Kontrollen festgestellt wird, dass er das nicht getan hat, dann kann es Strafen geben.“

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Deutschland hatte Wien am Mittwoch zum Corona-Risikogebiet erklärt. Das Außenministerium in Berlin begründete die Einstufung mit dem zunehmenden COVID-19-Infektionsaufkommen.

In der Schweiz gilt die Warnung schon länger, und am Freitag folgt Belgien mit demselben Schritt. Das hat auch Auswirkungen für all jene Deutschen, Belgier und Schweizer, die in der österreichischen Bundeshauptstadt wohnen und in ihr Heimatland reisen wollen.

Trotz der dramatisch steigenden Neuinfektionen im Nachbarland Tschechien plant Österreich derzeit keine Reisebeschränkungen. „Wir beobachten die Situation genau“, erklärte das Außenministerium, vorerst seien keine Verschärfungen geplant. Tschechien sei nicht mit Urlaubsländern wie Spanien vergleichbar, wo sich im Sommer sehr viele Österreicher aufgehalten hätten, hieß es. Daher stelle sich das Problem der Reiserückkehrer nicht in gleichem Ausmaß.

Die Reisewarnung Deutschlands für Wien hat keine Auswirkungen auf Bundeshauptstädter, die über das Große oder Kleine Deutsche Eck nach Tirol oder Salzburg fahren wollen. Diese seien nur auf der Durchreise und würden unter den Titel „Grenzverkehr“ fallen. Deshalb bestehe keine Pflicht zur Vorlage eines negativen Coronatests, hieß es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium gegenüber der APA.

Für Reiserückkehrer aus dem „Risikogebiet“ Wien und Wiener, die zum Aufenthalt nach Bayern bzw. Deutschland einreisen, gelte hingegen grundsätzlich einmal eine 14-tägige Quarantäne. Diese könne aber vermieden werden, wenn die Betroffenen einen negativen Coronatest bei sich haben, dessen Testentnahme nicht älter als 48 Stunden sei.

Die deutsche Reisewarnung für Wien trifft vor allem den Tourismus schwer. In der abgelaufenen Wintersaison 2020, die schon von der Coronakrise beeinflusst einen starken Rückgang gebracht hatte, entfiel jede sechste Übernachtung auf Gäste aus Deutschland. In Summe buchten Deutsche rund 940.000 Übernachtungen in Wien. Im Jahr davor (Wintersaison 2019) hatte es in Wien noch fast 1,4 Mio. Übernachtungen aus Deutschland gegeben. Im gesamten Jahr 2019 verbuchte Wien 3,4 Millionen Nächtigungen aus Deutschland, das waren 19 Prozent aller Übernachtungen. Insgesamt kam Wiens Tourismus auf 17,6 Millionen Nächtigungen und einen Umsatz über einer Milliarde Euro.

Noch härter als Wien würden Reisewarnungen aus Deutschland allerdings Bundesländer mit großem Wintertourismus treffen. So hatte in der vorigen Wintersaison Vorarlberg etwa 1,4 Millionen Übernachtungen deutscher Gäste, Salzburg 5,2 Millionen und Tirol 11,6 Millionen. Dabei hatte es schon Rückgänge um 13 bis 18 Prozent im Vergleich zur Vorjahressaison gegeben.


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