Täglich rund 70 Neuinfektionen in Tirol, Inntalfurche hauptbetroffen

Mit den verschärften Maßnahmen hofft Tirol die Ansteckungsrate zu senken. Landeshauptmann Günther Platter denkt vorerst an keine zusätzlichen Verschärfungen.

Rückkehr der Maskenpflicht: Die Politik erhofft sich dadurch, die Corona-Ausbreitung wieder einzudämmen.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck – Die Ampelfarben sind das eine, die Reisewarnungen für Österreich bzw. Wien das andere. Vor allem die Beurteilung der Situation durch das Robert Koch-Institut, die zentrale Einrichtung der deutschen Bundesregierung für Krankheitsüberwachung und -prävention, wird auch in Tirol seismographisch verfolgt. Denn auf dessen Einschätzungen basieren die Reise­warnungen. Der Warnwert, bei dem die Maßnahmen nach einer Gesamtbewertung der Situation wieder verschärft werden können, liegt in Deutschland bekanntlich bei 50 Fällen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Derzeit werden tirolweit (755.000 Einwohner) pro Tag rund 70 Neuinfektionen verzeichnet, in Innsbruck sind es 20 bis 25. Insgesamt sind 661 Personen mit Corona infiziert. „Es darf aber nicht nur nach den nackten Zahlen bewertet werden, sondern es geht vor allem um die Rückverfolgung und die Ansteckungsquellen. Und natürlich um die Kapazitäten in den Spitälern“, sagt der Leiter des Tiroler Einsatzstabes, Elmar Rizzoli.

So befinden sich aktuell lediglich 15 Infizierte in Spitalsbehandlung, zwei Patienten benötigten intensivmedizinische Betreuung. Außerdem wird laut Rizzoli in Tirol sehr intensiv getestet, bisher wurden 212.586 Abstriche untersucht. Trotzdem: Allein der Hinweis des deutschen Außenministeriums, dass es in Tirol deutlich steigende Infektionszahlen gibt, lässt die Alarmglocken schrillen.

Die Ballungszentren sind aktuell die Problemzonen im Land, vor allem die Inntal­furche. Die Ansteckungsherde sind private Feiern, Zusammenkünfte nach Sportveranstaltungen und in Lokalen. Auch der Anteil von Infektionen von Personen mit Migrationshintergrund ist relativ hoch. Wie geht es jetzt weiter?

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Nach dem Schulbeginn ist vor dem Uni-Start. Für die Experten im Einsatzstab sind deshalb die nächsten zwei Wochen richtungsweisend. Von regionalen Verschärfungen will LH Günther Platter (VP) derzeit absehen. „Nachdem wir vor ein paar Wochen Probleme bei Reiserückkehrern hatten, sehen wir nun, dass die Infektionszahlen nach Veranstaltungen und Menschenansammlungen immer mehr steigen.“ Auch in Tirol habe man zu hohe Infektionszahlen. Daher sind laut Platter die vom Bund präsentierten Verschärfungen der Maßnahmen wie die Ausweitung des Mund-Nasen-Schutzes auch für Gäste in der Gastronomie oder die Beschränkung der Personenanzahl für Indoor-Veranstaltungen absolut zu begrüßen.

In einer schwierigen Situation befindet sich auch Tirols Fußballpräsident Josef Geisler. Es geht darum, die Herbstmeisterschaft im Unter­haus-Fußball halbwegs „infektionsfrei“ durchzuführen. Als Gefahrenquellen haben sich zuletzt die für die Vereine so wichtigen Kantinen herausgestellt. Der Fußballverband hofft deshalb auf die Vernunft der Funktionäre, am Wochenende soll es dazu auch eine Klarstellung geben.


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