Neues Studium in Innsbruck: Drei Jahre bis zum Gebärdendolmetscher

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© Hammerle

Innsbruck – Ob Arztbesuche, Elternabende oder Führerscheinprüfung – ohne Gebärdendolmetscher ist es für Gehörlose schwierig bis unmöglich, alltäglich erscheinende Termine wahrzunehmen. In Tirol war die Situation bisher besonders prekär, da für rund 750 gehörlose Menschen nur zehn Dolmetscher zur Verfügung standen. Mit einem neuen Bachelor-Studiengang, der am 28. September an der FH Gesundheit in Innsbruck startet, soll sich das ändern.

„In sämtlichen Lebensbereichen, lebenslang“ seien Gehörlose auf die Hilfe von Dolmetschern angewiesen, sagte Studiengangsleiterin Elisabeth Greil gestern bei der Präsentation der neuen Ausbildung. „Es ist eine Beeinträchtigung, die unsichtbar ist. 3000 Stunden im Jahr arbeiten Gebärdendolmetscher in Tirol, 25 bis 30 Prozent der Anfragen mussten bisher abgesagt werden“, da sich niemand gefunden habe, der diesen Termin wahrnehme. Wenn es in drei Jahren die ersten Absolventen des Lehrganges gibt, soll sich die Lage verbessern. 23 Studierende sind bisher für die Ausbildung eingeschrieben, zum Start sollen es 25 sein. Walter Draxl, Rektor der FH Gesundheit, nannte das Angebot „innovativ und zukunftsweisend“, da es österreichweit das erste seiner Art sei.

„Es ist ein Tag, auf den wir uns sehr gefreut haben und für den wir einen langen Kampf führten“, meinte Monika Mück-Egg vom Gehörlosenverband Tirol. „Für uns wird das sehr viele positive Nachwirkungen und mehr Lebensqualität bringen.“

Finanziert wird der Studiengang in erster Linie vom Land Tirol. Für die nächsten sechs Jahre sind dafür insgesamt 1,2 Millionen Euro vorgesehen. Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) bezeichnete die Ausbildung als „Meilenstein. Denn Kommunikationsprobleme führen zum Ausschluss. Der Bedarf an Dolmetschern ist groß.“ Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne) sprach von einem „riesengroßen Wurf. Teilhabe muss und wird möglich sein.“ (bfk)

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