Kampf um letzte Lebensräume für Schmetterlinge in Tirol: Helfer gesucht

In Tirol sind zahlreiche geschützte Schmetterlinge heimisch. Deren Lebensräume werden aber immer kleiner. Der Verein JARO will gegensteuern und sucht noch freiwillige Helfer.

Westlich von Kranebitten fühlt sich der stark bedrohte Apollofalter wohl. Das soll auch so bleiben.
© Huemer

Von Simone Tschol

Vils, Pinswang, Innsbruck – Farbenfroh, flatterhaft und von filigraner Schönheit: Schmetterlinge sind ganz besondere Lebewesen. Geschätzte 2830 verschiedene Arten gibt es in Tirol.

Die Schmetterlingsvielfalt zu fördern und die Lebensräume für sie und andere Insekten zu erhalten, hat sich der Verein JARO Tirol, ein Ableger des tschechischen Landschaftspflegevereins „Jaro Jaromer“, auf seine Fahnen geschrieben. Im Auftrag der Abteilung Umweltschutz des Landes und unter Federführung des Innsbrucker Ökologen Karel Cerny werden immer wieder mehrtägige Pflegeeinsätze und Freiwilligenaktionen organisiert.

Im Oktober letzten Jahres wurde im Zuge dessen beim ehemaligen Baggersee in Musau ein rund 500 Meter langer und teils 50 Meter breiter Korridor angelegt. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Lebensraum des Wald-Wiesenvögelchens gelegt. Cerny: „Diese Edelfalterart ist bei uns extrem selten.“

Derzeit sind Cerny und ein Team wieder im Außerfern, diesmal in Vils und Pinswang im Einsatz. Cerny: „Die überdichteten Lebensräume von gefährdeten Organismen, vor allem Schmetterlingen, aber auch Amphibien und Pflanzen, sollen derart gestaltet werden, dass gefährdete Arten dort auch in Zukunft passende Lebensbedingungen vorfinden können.“

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Um den Einsatz so schnell wie möglich beenden zu können, damit die Hirschbrunft nicht gestört wird, sind freiwillige Helfer stets willkommen. „Unser Einsatz bei Vils und Pinswang wird mindestens bis Donnerstag, den 24. September, dauern. Wer uns helfen möchte, vor allem bei der Räumung von Schnittgut, kann sich jederzeit telefonisch unter 0650/4058663 melden. Wir sind für jede helfende Hand dankbar.“

Laut Cerny reicht es aus, Motivation, gute Arbeitskleidung, festes Schuhwerk und Arbeitshandschuhe mitzubringen.

Sind die Habitate im Außerfern optimiert, wechseln Cerny und sein Team nach Innsbruck. Dort wurden oberhalb der Karwendelbahn westlich von Kranebitten vor Jahren die Waldbestände aus Sicherheitsgründen gelockert bzw. beseitigt. Der dafür errichtete Stichweg wurde zum beliebten Naherholungsgebiet für die Innsbrucker Bevölkerung. Und die freigewordenen Flächen wurden bald von verschiedenen wärmeliebenden Organismen kolonisiert. „Insbesondere die Schmetterlinge haben hier kräftige Populationen gebildet. Viele der dort lebenden Arten sind sonst nirgendwo im Großraum Innsbruck zu finden“, weiß Cerny. Leider sei der günstige Zustand dieser Lebensräume nicht unterstützt worden. Cerny: „Große Flächen verbuschten und verwaldeten wieder und die Fauna und Flora der trockenen Magerrasen wurde großteils wieder verdrängt.“

Nun sei es jedoch gelungen, auch bei den ÖBB Unterstützung zu finden. „Und im Rahmen der Instandhaltung von Schutzeinrichtungen haben wir die Möglichkeit bekommen, Teile der potenziellen Magerrasen zu revitalisieren und dauerhaft zu pflegen. Unser Ziel ist, die Populationen von geschützten Schmetterlingen, wie dem Apollofalter, dem Segelfalter, dem Blaukernauge, dem Roten Scheckenfalter, vom Russischen Bär und der sehr seltenen Italienischen Schönschrecke, zu stärken. Mit ihnen werden auch viele andere, zum Teil seltene, aber nicht geschützte Arten unterstützt.“

Die Pflegemaßnahmen werden am Samstag, 26., und Sonntag, 27. September, jeweils ab 9 Uhr von der Gruppe JARO umgesetzt. Da die verfügbare Fläche größer ist als vorab vereinbart, hofft Schmetterlingskundler Cerny auch hier auf breite Unterstützung aus der Bevölkerung. „Mit vielen Helfern könnten wir sogar mehr schaffen als unbedingt erforderlich.“

Treffpunkt ist jeweils um 9 Uhr an der Endstation der Buslinie K in Kranebitten Bahnhof. Wer erst später hinzustoßen kann, wird die Landschaftspfleger auf dem Stichweg oberhalb der Eisenbahn westlich von Kranebitten leicht finden.

Als Ausrüstung genügen eine gute Arbeitskleidung und festes Schuhwerk und eigene Handschuhe. Sollte jemand nicht gebrauchte Seile haben, so bittet Cerny, diese mitzubringen: „Mit diesen werden wir das Schnittgut vom Hang auf den Stichweg zum Abtransport verfrachten.“

Der Ökologe hofft auf möglichst viele Helfer – sowohl im Außerfern als auch in Innsbruck. „Es wird immer schwieriger, Freiwillige zu finden, auch wegen anderer Landschaftspflegeprojekte.“ Eine 13-köpfige Gruppe aus Tschechien habe ihre Hilfe bereits zugesagt. Ebenso wollen sich Personen aus Polen und Deutschland einbringen. „Aber ich hoffe natürlich auch auf zahlreiche Tiroler, die uns unterstützen wollen“, so Karel Cerny abschließend.


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